Ein neues Branchen-Whitepaper von Frame the Future (Zürich) kommt zu dem Schluss, dass die Herausforderung der Nachhaltigkeit in der Brillen-Branche nicht mehr in erster Linie technischer, sondern struktureller Natur ist.
„FTF Catalyst Study“ (Bild: Frame the Future)
Die „FTF Catalyst Study“ identifiziert die Hindernisse, die einen branchenweiten Fortschritt verhindern – von den Materialien und der Fertigung bis hin zum Einzelhandel, zur Kommunikation und zur Entsorgung.
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Basierend auf 19 ausführlichen Interviews entlang der gesamten Wertschöpfungskette, unterstützt durch Expertenmeinungen, Sekundärforschung und branchen-übergreifendes Benchmarking, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass es der Brillen-Branche nicht an Innovation oder Absichten mangelt. Was fehlt, ist Koordination. Fragmentierte Standards, uneinheitliche Terminologie, eine begrenzte Recycling-Infrastruktur, eine schwache Vergleichbarkeit von Daten und wachsender regulatorischer Druck erschweren es den Unternehmen, allein effektiv zu handeln.
Sechs strukturelle Hindernisse in Brillen-Branche
Der Bericht identifiziert sechs strukturelle Hindernisse, die den Fortschritt bremsen würden: die Datenbarriere, die Vertrauenslücke, die Preisfalle, den Abfallmotor, den Einzelhandels-Filter und den versteckten Fußabdruck. Zu den hervorgehobenen Problemen zählten hohe Materialverluste bei der Acetatproduktion, eingeschränkte Rückverfolgbarkeit, anhaltender Abfall durch Probegläser und Produkte aus gemischten Materialien sowie das Fehlen gemeinsamer Systeme, die es ermöglichen würden, Kreislauf-Lösungen über isolierte Pilotprojekte hinaus zu etablieren.
Die Studie macht deutlich: Diese Herausforderungen enden nicht am Werkstor. Einzelhändler und Augenoptiker befinden sich an einer entscheidenden Schnittstelle zwischen den Bemühungen der Industrie und dem Verständnis der Verbraucher. Ohne eine gemeinsame Sprache, praktische Instrumente und glaubwürdige Aussagen scheitere Nachhaltigkeit oft im Verkaufsraum – was sich auf das Vertrauen, die Zuversicht der Mitarbeiter und die Fähigkeit auswirkt, Fortschritte in Kundenrelevanz umzusetzen.
Gleichzeitig verändere sich laut FTF das regulatorische Umfeld rasch, wobei Rahmenwerke wie die CSRD, die EPR, die Anforderungen an den „Digital Product Passport“ und die Durchsetzung von „Green Claims“ zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Kernaussage der Studie lautet, dass viele dieser Herausforderungen systemischer Natur sind und dass eine Reaktion auf diese Herausforderungen durch einzelne Unternehmen langsamer, kostspieliger und weniger glaubwürdig sein wird als der gemeinsame Aufbau gemeinsamer Grundlagen.
Die in der Studie genannten teilnehmenden Unternehmen sind: Ace & Tate, Bird Eyewear, ic! berlin, DSW Optical, Friendly Frenchy, Hoya, Safilo, Sea2See, Skans, Specsavers, Killine, Marchon, Marcolin, Mazzucchelli, Mod Style Eyewear, Mykita, Pricon, Regenesis Materials und Vanni.
Gemeinnützige Allianz „Frame the Future“
„Frame the Future“ (FTF) ist die neu gegründete gemeinnützige und wettbewerbs-unabhängige Allianz, die hinter der Studie steht. Sie bringt Akteure aus dem gesamten Brillen-Ökosystem zusammen, um gemeinsame Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Branche allein nicht schaffen kann: gemeinsame Standards, einheitliche Messmethoden, eine Pilot-Infrastruktur für Kreislaufwirtschaft und vertrauensvolle Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungs-Kette hinweg.
Unternehmen schließen sich FTF nicht nur durch eine Mitgliedschaft an, sondern auch durch die Unterzeichnung der „Frame the Future“-Charta – eine gemeinsame Verpflichtung, die Nachhaltigkeit in der Brillenbranche von vereinzelten Bemühungen hin zu einer koordinierten Umsetzung zu führen.
FTF stehe Unternehmen aus der gesamten Branche offen – darunter Marken, Hersteller, Zulieferer, Labore, Einzelhändler, Recycling-Unternehmen und Lösungs-Anbieter, die die zukünftigen Rahmenbedingungen für verantwortungs-bewusste Brillen mitgestalten möchten.
Die Studie kann kostenlos heruntergeladen werden unter framethefuture.org , wo auch Informationen zur Mitgliedschaft und Details zur Unterzeichnung der Charta verfügbar sind.