Flammtasia atmete am Ende ihrer knapp 30-minütigen Feuershow laut und stieß mit jedem Atemstoß mehr kondensierten Wasserdampf als Rauch aus. Kühl war es geworden auf dem Gut Wöllried Mitte November, und trotz der gelungenen Show in der Pause – mit Feuerschlucken und Flammenakrobatik – freuten sich die 55 Teilnehmenden der zweiten Auflage von Myopie-Management „MACHEN!“ auf die Fortsetzung des interessanten, kurzweiligen Programms – und das nicht nur, weil ihnen langsam kalt wurde.
Robert Mergenthal (li.) und David Gerlach erzählten als Mitgastgeber aus der Praxis (Foto: partnerauge)
Neyece und partnerauge hatten nach dem Erfolg im Vorjahr in Mönchengladbach ein zweites Mal zu einer ungezwungenen Fortbildungsveranstaltung geladen. Dieses Mal aufs Weingut Wöllried, das ein gemütliches Ambiente für die Netzwerkveranstaltung bot und kulinarisch ebenfalls zu überzeugen wusste. Die Sponsoren Essilor, CooperVision und pricon sorgten dafür, dass dieses besondere Event erneut kostenfrei angeboten werden konnte, und sie sorgten für wertvollen Input für die am Myopie-Management interessierten Gäste.
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Anna Stock und Christian Dänner von Cooper machten unter dem Motto „Evidenz, Praxis und Perspektiven“ den Anfang und zeigten in ihrem Vortrag, wie modernes Myopie-Management funktioniert. Die Zahl kurzsichtiger Kinder steige weltweit rasant, das Motto laute demnach: handeln statt abwarten. „Myopie-Management ist ein langfristiger Prozess, der die Begleitung von Kindern und Eltern über viele Jahre umfasst. Ziel ist es, das Augenlängenwachstum zu verlangsamen und die Augengesundheit nachhaltig zu schützen“, schwor die Referentin die Teilnehmenden ein.
Kontaktlinsen als sichere Option für Kinder
Ein zentrales Thema des Vortrags war wenig überraschend: Kontaktlinsen sind für Kinder eine praktikable und sichere Lösung. Die MiSight 1 day biete dabei entscheidende Vorteile: sie sei hygienisch, einfach und ihre Wirkung wissenschaftlich belegt. Das präsentierte Beispiel – Testimonial Frederic – verdeutliche die Praxis. Stock: „Anfangs ungeübt, wurde das Handling der Kontaktlinsen schnell zur Routine. Bis heute trägt er mit Begeisterung seine Kontaktlinsen, und seine Werte sind über Jahre stabil geblieben. Dieses Fallbeispiel zeigt, wie wichtig die kontinuierliche Begleitung im Myopie-Management ist.“
Evidenzbasierte Versorgung
Auch die wissenschaftliche Grundlage sei stark: Die 7-Jahres-Studie zu MiSight 1 day belege eine Reduktion der Myopie-Progression um 59 Prozent und des Augenlängenwachstums um 52 Prozent. „Neueste Veröffentlichungen zeigen, dass mit dieser Kontaktlinse ein emmetropes Wachstum erreicht werden kann. Die Effekte bleiben auch nach Beendigung bestehen, ohne Rebound-Effekt.“
Globale Dimension
Weltweit, so das CooperVision-Team, tragen bereits über 200.000 Kinder MiSight 1 day – das sei ein starkes Signal für Vertrauen und Erfolg. Mit mehr als 35.000 zertifizierten Spezialistinnen und Spezialisten und der längsten klinischen Studie für weiche Kontaktlinsen bei Kindern sei die Kontaktlinse eine evidenzbasierte Lösung für die Praxis. Fazit des Vortrags und Take-Home-Message für die Gäste: Früh starten, konsequent begleiten – das ist echtes Myopie-Management. „Kleine Augen, große Verantwortung!“
Veranstaltung Myopie machen (Foto: partnerauge)
Wie wichtig dabei die Zusammenarbeit von Ophthalmologen und Augenoptikern ist, dokumentierte Essilor anhand der Erfahrungen des Medical Teams, das insbesondere durch Informationen in beide Richtungen und Präsenz bei augenärztlichen Kongressen das interdisziplinäre Miteinander unterstützt. Gudrun Westenberger und Patrick Petzold präsentierten nicht ohne Stolz die Ergebnisse von Essilor Stellest in der Langzeitstudie (nach sechs Jahren) und im Nachweis der Wirksamkeit im Rahmen einer neutralen Metastudie.
Auch die FDA erkenne diese Ergebnisse an und habe aktuell Essilor Stellest als einziges Brillenglas zur Myopie-Kontrolle anerkannt. Die beiden Essilor-Fachleute zeigten außerdem die Möglichkeiten der für alle Myopie-Spezialisten kostenfrei zu nutzenden Beratungssoftware „Essilor Myopia Suite“ auf. Die Arbeit mit der Software erleichtere die Gespräche mit Eltern und Kindern alleine schon durch die Simulationen des Sehvermögens und die Information über alle Kontrollmöglichkeiten bei einer progressiven Myopie. Das sei eine große Hilfe für Eltern, die richtige Entscheidung zu treffen. „Die Archivierung des Myopie-Verlaufs erlaubt jederzeit einen Überblick über den Erfolg der gewählten Methode. Und das auf Knopfdruck erstellte Dokument mit dem aktuellen Status des myopen Kindes ermöglicht den direkten interdisziplinären Austausch“, nannte Westenberger noch zwei weitere Stärken, die beim Netzwerken während der Imbiss- und auch während der „Feuer“-Pause mit den Gästen vertieft wurden.
Mehr als verkleinerte Erwachsenenmodelle
Unter dem Titel „Brillenmode ist kein Kinderkram“ erläuterte Matthias Köste von pricon zu Beginn des dritten Parts die Bedeutung von Kinderfassungen. So wie Kinder selbst nicht unbedingt merken, dass sie schlecht sehen, brauche es auch bei der Fassungsauswahl Kenntnis, erst recht beim Myopie-Management.
Generell gelte für Kinderfassungen, die Besonderheiten des Kinder-Schädels im Designprozess zu berücksichtigen: Der niedrigere Nasenrücken, andere Fassungsscheibenwinkel und die Tendenz von Kindern, nach oben zu schauen, verlangen speziell konstruierte Nasenstege und angepasste Vorneigungswinkel. Stabilität, Komfort und hypoallergene Materialien seien Pflicht: Kinder behandeln ihre Brille zu oft wie ein Spielzeug. Und natürlich: Die Fassungen fürs Myopie-Management müssten entsprechend groß sein, damit die Brillengläser auch ihre Wirkung entfalten könnten.
Zum Abschluss sorgte Köste noch für Kopfnicken bei den Teilnehmenden, als er sagte, „wenn die fachliche Vorauswahl der Fassungen steht, sollte das Kind selbst entscheiden dürfen – denn Akzeptanz ist der Schlüssel zur Tragedisziplin“.
Zum Schluss einer runden Veranstaltung erzählten David Gerlach und Robert Mergenthal als Mit-Gastgeber von Neyece aus der Praxis. Die beiden Augenoptiker widmeten sich den offenen Fragen, die sich manchmal auch abseits des fachlichen Know-hows in den Weg stellen. Zum Beispiel: Wie kommt das neue Kundenklientel zu mir und wie baue ich Kontakt zu meinen Augenärzten auf? Die Neyece-Gruppe stehe dafür, das Myopie-Management als Dienstleistung und nicht als Produkt in die Betriebe zu implementieren, nicht zuletzt sei dieser Grundgedanke eine Intention für Gerlach und Mergenthal, die Myopie-Management-Roadshow gemeinsam mit partnerauge zu realisieren.
Dass das so viel Anklang findet, freut die drei Veranstalter, für die partnerauge-Geschäftsführer und eyebizz-Herausgeber Ingo Rütten stellvertretend verraten darf, „dass es in diesem Jahr zwei weitere Events in dieser Reihe geben wird“. Mehr Informationen dazu in der kommenden eyebizz-Ausgabe.
/// IR
Stimmen zum Event
Matthias Köste (Bild: Pricon)
„Der persönliche Austausch, die Vorträge sowie das feurige Rahmenprogramm von Myopie-Management „MACHEN!“ machten den Abend zu meinem ganz besonderen November-Highlight. Wer also ungezwungen in das Myopie-Thema einsteigen oder sein Wissen vertiefen möchte, sollte die kommenden Termine unbedingt im Blick haben.“
Matthias Köste, Geschäftsführer pricon
Paula Isemann (Foto: Essilor)
„Praxisnah, aktuell und mit hoher fachlicher Qualität aufgegriffen – ein echter Mehrwert für alle Beteiligten. Der Austausch unter erfahrenen und neuen Myopie-Experten sowie der Einblick in aktuelle Entwicklungen sind für alle besonders wertvoll. Wir blicken mit großer Spannung auf weitere Veranstaltungen dieser Reihe und freuen uns, auch künftig wieder dabei zu sein.“
Paula Isemann, Category & Product Manager DACH Essilor
Anna Stock (Foto: CooperVision)
„Unser Ziel: Myopie-Management als Standard in der Versorgung myoper Kinder. Aufklärung ist dabei entscheidend, denn nur gut informierte Eltern können die richtigen Entscheidungen treffen. Der Austausch auf der Veranstaltung war inspirierend, praxisnah und voller Motivation. Es ist großartig zu sehen, wie engagierte Augenoptiker und Augenärzte gemeinsam an einer besseren Zukunft für Kinderaugen arbeiten.“
Anna Stock, Myopia Management Consultant, Professional Affairs DACH CooperVision