Die wirtschaftliche Lage der deutschen Augenoptik zeigte sich laut ZVA zum Jahreswechsel 2025/2026 insgesamt stabil, wenn auch deutlich verhaltener als in den Jahren zuvor, wie der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (Düsseldorf) anlässlich der opti mitteilte.
Bild: ZVA / Peter Boettcher
Nach derzeitigem Stand ist für die Branche ein Umsatzwachstum von rund 1 bis maximal 2 Prozent zu erwarten. Damit bleibe die Entwicklung unterhalb der Inflationsrate und entspreche einer Seitwärts-Bewegung, so der ZVA.
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„Die Augenoptik behauptet sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld vergleichsweise gut. Von einer echten Wachstums-Dynamik kann jedoch keine Rede sein“, erklärte ZVA-Präsident Christian Müller. „Die anhaltende Kauf-Zurückhaltung der Verbraucher macht sich inzwischen auch in unserer Branche deutlich bemerkbar.“
Während der Umsatz wertmäßig leicht zulegen dürfte, geht der ZVA von rückläufigen Brillen-Stückzahlen aus, die 2025 um 1 bis 2 Prozent unter den Vorjahreszahlen liegen dürften. Diese Entwicklung bestätige die Ergebnisse der aktuellen Brillenstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach: Die Zahl der regelmäßigen Brillenträger ist rückläufig; insbesondere Personen, die nicht dauerhaft auf eine Brille angewiesen sind, zögerten den (Neu-)Kauf hinaus.
„Menschen, die aufgrund ihrer Fehlsichtigkeit zwingend eine Sehhilfe benötigen oder bei denen sich die Korrektionswerte merkbar verändert haben, kaufen weiterhin eine neue Brille“, so Müller. „Wer jedoch nur gelegentlich eine Brille nutzt, reagiert deutlich sensibler auf wirtschaftliche Unsicherheit – sei es durch Kauf-Aufschub oder den Griff zu günstigeren Alternativen wie z.B. einfachen Lesehilfen.“
Durchschnitts-Preis steigt – große Spannbreite bleibt
Der durchschnittliche Verkaufs-Preis einer kompletten Korrektionsbrille liegt bei rund 550 Euro, so der ZVA. Diese Kennzahl verdeutliche jedoch nur bedingt die Marktrealität, da die Preisspanne in der Augenoptik von einfachen Einstärken-Brillen bis hin zu individuell gefertigten, hochwertigen Gleitsichtbrillen mit entsprechend höherem Preisniveau reicht.
Auch bei der zugehörigen Fassung sei der Preis-Unterscheid zwischen günstigeren und hochpreisigen Marken erheblich, hinzu kommen individuelle Aufpreise bei Brillengläsern z.B. für eine Super-Entspiegelung oder spezielle Filter. Der leichte Umsatz-Anstieg sei daher weniger auf steigende Stückzahlen als vielmehr auf eine höhere Wertschöpfung pro Brille zurückzuführen.
Markt-Konzentration setzt sich fort
Unverändert herausfordernd bleibe laut ZVA die strukturelle Entwicklung der Branche. Die Zahl der augenoptischen Betriebsstätten nehme weiter ab, während sich die Markt-Konzentration zugunsten größerer Betriebe und Filialisten fortsetze. Besonders problematisch sei die fehlende Betriebsnachfolge: Viele inhabergeführte Betriebe finden keinen Nachfolger, was mittelfristig zu weiteren Schließungen führen dürfte.
Die Ausbildungs-Leistung in der Augenoptik liege laut Zentralverband im langjährigen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau, auch wenn die Zahl der Neuverträge in der Ausbildung zum 31. Oktober 2025 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht zurückging (2024 wurden 2.328 Neuverträge geschlossen, 2025 waren es 2.280). Der Fachkräfte-Bedarf bleibt ein zentrales Thema; fehlendes qualifiziertes Personal ist für viele Betriebe ein begrenzender Faktor – sowohl für das Wachstum als auch für die Weiterentwicklung des Leistungs-Angebots.
Gleichzeitig zeigten aktuelle Wirtschafts-Analysen leichte Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der unbesetzten Stellen gehe tendenziell zurück, während die Arbeitslosigkeit in der Augenoptik leicht ansteigt – wodurch sich die Schere etwas schließt.
ZVA: Spezialisierung als Erfolgsfaktor
Tendenziell besser aufgestellt sind nach Einschätzung des ZVA jene inhaber-geführten Betriebe, die sich klar positionieren und spezialisieren – etwa durch optometrische Leistungen, ein individuelles Angebot mit angeschlossener Brillen-Manufaktur oder die Fokussierung auf ausgewählte Teilbereiche der Augenoptik.
„Betriebe, die ein klares Profil haben und ihre Stärken konsequent ausspielen, positionieren sich langfristig besser als reine Generalisten“, betont Christian Müller. „Handwerkliche Qualität, Spezialisierung und ein Fokus auf Augengesundheits-Vorsorge sowie Vertrauen durch individuelle, persönliche Beratung bleiben die entscheidenden Faktoren für wirtschaftliche Stabilität.“
Augenoptik im Branchen-Vergleich weiterhin robust
Trotz der genannten Herausforderungen zeige sich die Augenoptik laut ZVA im Vergleich zu vielen anderen Branchen weiterhin relativ widerstandsfähig. Die Nachfrage nach Sehhilfen bleibe vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung grundsätzlich stabil, auch wenn die wirtschaftliche Unsicherheit inzwischen deutlicher spürbar ist als noch vor einigen Jahren.
„Die Augenoptik ist keine Krisenbranche“, fasst Christian Müller zusammen. „Aber sie ist auch kein Selbstläufer. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, wie gut es uns gelingt, Qualität, Versorgungs-Sicherheit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander zu verbinden.“
Der ZVA-Branchenbericht 2025 erscheint im Frühjahr.