Seit dem vergangenen Jahr ist das britische Familien-Unternehmen Eyespace im deutschen Markt aktiv. Der B-Corp-zertifizierte Brillen-Hersteller hat sich in puncto Nachhaltigkeit einiges vorgenommen – nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Branche.
Das Team von Eyespace bei einem Messeauftritt; in der Mitte die beiden Firmen-Gründerinnen Jayne (leuchtend blaue Hose) und Julie Abel (rotes Kleid) (Bild: Eyespace)
Eyespace wurde 2013 von den Schwestern Jayne und Julie Abel gegründet, den gemeinsamen Geschäftsführerinnen, die in zweiter Generation ihrer Familie Brillenfassungen und Sonnenbrillen herstellen und vertreiben – ein Familien-Unternehmen, das auf jahrzehntelanger gemeinsamer Erfahrung in der Optikbranche aufbauen kann. Gemeinsam bringen die beiden, eine Optometristin und eine Buchhalterin, ihr geballtes Fachwissen in den Bereichen Optometrie, Design, Finanzen und operative Führung ein, unterstützt von einem internen Team aus den Bereichen Design, Produkt-Entwicklung, Vertrieb und Marketing.
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Eyespace ist heute ein preisgekröntes britisches Unternehmen und zertifizierte B-Corporation. Die DNA ist unternehmerisch und unverkennbar britisch, so die Schwestern, das Leitbild fest in der Optikbranche verwurzelt: ein Markenhaus, das den persönlichen Stil zelebriert und gleichzeitig die Branche in eine nachhaltigere Zukunft führen möchte. Das Unternehmen zählt nach eigenen Aussagen mittlerweile zu den international am schnellsten wachsenden Brillenherstellern und ist der führende unabhängige Brillen-Anbieter in Großbritannien; die Produkte sind aktuell in 95 Ländern auf sechs Kontinenten erhältlich.
Die in Großbritannien intern entworfenen Brillenfassungen werden vom Hauptsitz in Worcestershire sowie von einem europäischen Vertriebszentrum aus versandt, um den EU-Markt zu bedienen, auf dem das Unternehmen am schnellsten wächst. Eyespace beschäftigt 55 Mitarbeiter, entwirft neun Kollektionen im eigenen Haus und betreibt zudem zwei globale Lagerhäuser.
Die neueste Kollektion Arhlo ist durch und durch britisch (Bild: Eyespace)
Das Unternehmen bietet mittlerweile mehr als 490 nachhaltige Artikel in seinem Sortiment an, von Designer-Lizenzkollektionen bis hin zu preisgünstigen Produktreihen, hält nach eigenen Aussagen einen führenden Marktanteil unter den unabhängigen Augenoptikern in Großbritannien, zählt aber auch globale Ketten zu seinen internationalen Kunden.
Das Markenportfolio umfasst Lizenz-Kollektionen für Range Rover, Defender und Aspinal of London sowie die Eigenmarken Cocoa Mint, Jensen, Arhlo, Louis Marcel, Rock Star und Zips. Die Flaggschiffmarke ist Cocoa Mint, laut Eyespace die meistverkaufte Damen-Brillenmarke in Großbritannien.
Aus der Kollektion Cocoa Mint, laut Eyespace die meistverkaufte Damen-Brillenmarke in Großbritannien (Bild: Eyespace)
Die jüngste Kollektion, Arlho, sei eine mutige und ausdrucksstarke Brillenmarke und ermutige Brillenträger, selbstbewusster bei der Auswahl ihrer Brille zu sein – mit neuen, leuchtenden Farbtönen, die Stimmung und Denkweise ihrer Trägerinnen positiv beeinflussen sollen. Die neue Kollektion sei durch und durch britisch. Auf der einen Seite steht die Tradition: Tartan, Fischgrätenmuster, Harris-Tweed – handwerkliche Qualität, die auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Auf der anderen Seite steht die Straße: der Trubel von Camden, die Energie des Glastonbury-Festivalgeländes und der rebellische Geist des Britpop der 90er Jahre.
Ein „ausgezeichnetes“ Unternehmen – gleich mehrfach
Das Unternehmen wurde zu einem der „Best Places to Work 2025“ der Sunday Times gekürt und gewann 2021 den ersten Nachhaltigkeits-Preis der britischen Optikbranche überhaupt sowie mehrere Optician Awards für seine Brillenfassungen, Qualität und Service.
Nachhaltigkeit wird von ganz oben vorangetrieben durch Jayne Abel, Mitglied der „Worshipful Company of Spectacle Makers“ und Ehrenbürgerin der City of London, deren langjährige Leidenschaft für Nachhaltigkeit die Ausrichtung des Unternehmens prägt. Das Unternehmen erfüllt alle Anforderungen und ist mit seinen Praktiken und Prozessen seiner Zeit voraus.
Da verwundert es nicht, dass das Unternehmen seit 2023 als B Corporation zertifiziert ist. „Die Zertifizierung spiegelt unser langjähriges Engagement für Nachhaltigkeit, unseren anhaltenden Fokus auf die Reduzierung von Plastikmüll sowie die Kultur und Gemeinschaft wider, die wir bei Eyespace aufbauen“, erläutert CEO Jayne Abel. „Die Zugehörigkeit zur globalen B-Corp-Bewegung prägt weiterhin die täglichen Entscheidungen unseres Teams, während wir daran arbeiten, die Standards sowohl in unserem Unternehmen als auch in der gesamten Optikbranche anzuheben.“
B Corp („Benefit Corporation“) ist ein Zertifikat, mit dem die international tätige Non-Profit-Organisation „B Lab“ Unternehmen für ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen auszeichnet. Das Zertifikat misst die soziale, ökologische und ökonomische Gesamtleistung eines Unternehmens und setzt Schwerpunkte auf öffentliche Transparenz und rechtliche Verantwortlichkeit. Inzwischen sind weltweit über 8.000 Unternehmen zertifiziert worden.
Zu den betrieblichen Veränderungen im Unternehmen zählen zum Beispiel Solar-Anlagen am Hauptsitz in Worcestershire, ein ausgebautes Ladenetz für Elektrofahrzeuge und eine wachsende Hybridflotte, LED-Beleuchtung mit Bewegungssensoren, grüne Energie und Webhosting sowie die Umstellung auf Seefracht, wo immer dies möglich ist – was mittlerweile vor dem Versand jedes Produkts zur Standardpraxis geworden ist.
Sinnvolle Veränderungen herbeiführen
2019 gab Eyespace eine unabhängige Prüfung seiner Standorte, Lieferanten, Kunden und Partner in Auftrag. Dabei wurden zwei Prioritäten für die Brillenbranche ermittelt: die Reduzierung der CO2-Emissionen und die Eliminierung von Einweg-Kunststoffen aus der Lieferkette. Kunststoffe standen an erster Stelle, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Dies war der schnellste Weg zu einem messbaren Ergebnis und der Bereich, auf den ein Brillenrahmen-Lieferant den direktesten Einfluss hat.
„Unabhängige Augenoptiker haben die moralische Verpflichtung, alles in ihrer Macht Stehende zu tun – und das gilt auch für uns“, findet Jayne Abel. „Ein Lieferant unserer Größe verfügt über echte Macht, Plastik aus dieser Branche zu verbannen – und ich betrachte das als Geschenk und Privileg, nicht als Belastung.“ Aufgabe von Eyespace sei es, sinnvolle Veränderungen herbeizuführen und es anderen Unternehmen zu erleichtern, diesem Beispiel zu folgen.
Sonnenbrille der Marke Defender (Bild: Eyespace)
Emily Andrews, Produktdirektorin und Chief Sustainability Officer, betont: „Verantwortungsvolle Produktentwicklung stand bei Eyespace schon immer im Mittelpunkt, und die B-Corp-Zertifizierung hat unsere Vorgehensweise bei der Gestaltung, Beschaffung und Herstellung unserer Brillen weiter gestärkt. Sie hat die Bedeutung einer sorgfältigen Dokumentation und lückenlosen Rückverfolgbarkeit aller nachhaltigen Bestandteile eines Brillengestells unterstrichen – von den Vorführgläsern über die Rahmenmaterialien bis hin zur Verpackung.“
In den Kollektionen finden sich verschiedenste nachhaltige Materialien, wie zum Beispiel Acetat aus Zellulose, Polyamide auf Basis von Rizinussamenöl, Nylons aus nachwachsenden Rohstoffen und aus wiederverwerteten Fischernetzen. Zudem kommen recyceltes Meeresplastik, recycelter Edelstahl, LWG-zertifiziertes Leder sowie FSC-zertifiziertes Papier und Karton zum Einsatz.
Recycling-Programm für Demo-Gläser
Die Optikbranche verbraucht schätzungsweise ein bis zwei Milliarden Brillenetuis pro Jahr, die fast alle sofort entsorgt werden. Seit Anfang 2020 schreibt Eyespace vor, dass alle Brillenetuis und Bügelhüllen mit einem international anerkannten Testverfahren zur anaeroben biologischen Abbaubarkeit unabhängig geprüft werden müssen. Die Ergebnisse zeigen einen Abbau in weniger als fünf Jahren unter Deponie-Bedingungen, im Vergleich zu 200 bis 500 Jahren bei herkömmlichem Kunststoff. Die Vorführgläser aller Hauptkollektionen sind nun auf biologisch abbaubare Materialien umgestellt und nach demselben Standard geprüft; die übrigen Sortimente werden schrittweise umgestellt.
Im Januar 2025 startete Eyespace ein kostenloses Recycling-Programm für die Demo-Gläser – und stellte es der gesamten Branche offen, nicht nur den eigenen Kunden. Jedes Optikgeschäft oder Optometrie-Praxis in Großbritannien kann gebrauchte Acryl-Demo-Gläser einsenden, unabhängig davon, von welcher Marke sie stammen. Die Betriebe füllen einen Beutel oder eine Schachtel und senden diese entweder per Post an die Zentrale oder vereinbaren eine Abholung durch ihren Gebiets-Verkaufsleiter; ein spezialisierter Recyclingpartner verarbeitet die Scheiben anschließend. Die Abholmengen seien seit dem Start stetig gestiegen: Mittlerweile werden über eine halbe Tonne gebrauchter Acryl-Demoscheiben gesammelt.
Aus der Lizenz-Kollektion Aspinal of London (Bild: Eyespace)
„Demo-Gläser werden innerhalb weniger Minuten nach der Ausgabe einer Brille weggeworfen und von niemandem getragen. Genau aus diesem Grund haben wir das Programm kostenlos und für jede Marke zugänglich gestaltet, nicht nur für unsere eigene. Rechnet man die von uns gesammelten Mengen auf die gesamte Branche hoch, kommt man auf tausende Tonnen pro Jahr – das wird einen bedeutenden Wandel bewirken“, betont Jayne Abel.
Auch bei deutschen Brillenherstellern gab es ähnliche Bestrebungen in der Interessengemeinschaft Nachhaltigkeit, diese riesigen Mengen an Demo-Scheiben dem Recycling-Prozess zuzuführen (siehe Beitrag aus eyebizz 1.2025).
Eyespace: Mit gutem Beispiel vorangehen
Die CEO von Eyespace ist außerdem stellvertretende Vorsitzende der Optical Suppliers Association (OSA), wo sie den Nachhaltigkeits-Ausschuss gegründet hat und dessen Vorsitz innehat und maßgeblich an der Ausarbeitung der „OSA Green Charter“ mitgewirkte. Die von der OSA ausgearbeitete und von führenden Optometrie-Verbänden unterstützte „Green Charter“ soll Optik-Unternehmen einen praktischen Weg aufzeigen, ihre Umweltbilanz zu verbessern. Ihr Wert liege darin, dass sie Unternehmen, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen, eine Struktur bietet, auf der sie aufbauen können, und ihnen ein Gefühl dafür vermittelt, wie viel die Branche gemeinsam bewirken könnte.
Eyespace hat zudem virtuelle „Green Summit“-Webinare für Mitarbeiter, Praxen und Einkaufsgemeinschaften durchgeführt und CPD-akkreditierte Nachhaltigkeits-Schulungen für die Branche angeboten. Das Unternehmen spendet Prototypen und Auslaufmodelle an die Association of British Dispensing Opticians (ABDO) für Schulungszwecke und hat gemeinnützige Organisationen wie den Trussell Trust, YoungMinds, Macmillan und Vision Care for Homeless People unterstützt, denen es im Januar 2026 über 380 Brillenfassungen spendete.
Seit 2025 im deutschen Markt aktiv
Bei so viel nachhaltigem und umweltbewusstem Engagement dürften sich entsprechend interessierte Augenoptiker und Verbraucher hierzulande freuen. Mit dem Eintritt von Eyespace in den deutschen Markt im vergangenen Jahr wagte das Unternehmen nach eigener Aussage einen großen Schritt. Um eine starke lokale Präsenz aufzubauen, ging man eine Partnerschaft mit einem Distributeur ein, der seit langem für hochwertige Brillengläser bekannt sei, und brachte dadurch mehrere der Eyespace- Flaggschiff-Marken bereits in deutsche Augenoptik-Fachgeschäfte, darunter Range Rover, Defender und Cocoa Mint.
Aus der Kollektion Range Rover (Bild: Eyespace)
„Die Zusammenarbeit hat es Eyespace bereits ermöglicht, das Deutschland-Geschäft erheblich auszubauen und die Reichweite des Brillen-Portfolios zu vergrößern“, freuen sich die Briten und planen, ihr internationales Profil weiter auszubauen, indem sie auf etlichen kommenden Optikmessen im Herbst und Winter, wie zum Beispiel auf der SILMO, wo auch Arhlo offiziell vorgestellt wird, vertreten sein werden, und damit auch ihre nachhaltige Botschaft weiter zu verbreiten.