Brillen-Boutique Santa Maria: Heilig ist hier nur der Name
von Barbara Jäger,
Bei Mallorca denken die meisten an Sonne, Strand und wahlweise Finca-Urlaub, doch wohl kaum an eine schicke Brillen-Boutique. Das könnte sich allerdings bei all jenen ändern, die beim Schlendern durch das Zentrum von Palma bei der Optik-Boutique Santa Maria reinschauen. Der besondere Store wurde nach aufwendiger Vorbereitung des Gründer-Trios im April letzten Jahres eröffnet und setzt neue Maßstäbe für Optik-Universen mit stilvollem Erlebnischarakter.
Die Gründer José Plasencia, Vannesa López und Andrés Roman (von links nach rechts) am Tag der Eröffnung der Optik-Boutique Santa María auf Mallorca (Foto: Óptica Santa María Boutique)
Aber wie kommt ein Augenoptik-Geschäft zu dem Namen Santa Maria, sprich „Heilige“ Maria? Ganz einfach: weil die Augenoptik-Gründerinitiative der Mallorquiner Vannesa López und Andrés Roman in Santa Maria del Camí seinen Anfang nahm; einer kleinen, 20 Autominuten von Palma im Inland gelegenen Gemeinde, die über eine florierende Einzelhandelsstruktur verfügt. Die beiden Entrepreneure lernten sich während ihrer langjährigen Tätigkeit in der Filiale einer Augenoptik-Kette in Palma kennen. Dann kam der Glückstag: mit einem gemeinsamen Lotterielos gewannen sie zusammen 24.000 Euro! Das ist zwar nicht die Dimension des „El Gordo“, dem spanischen Weihnachtslotterie-„Dicken“, der jedes Jahr im Dezember Millionen von Euro über das ganze Land verteilt. Aber das war genug, um den Schritt in die gemeinsame Selbstständigkeit zu wagen und mit ihrem ersten kleinen Augenoptik-Laden Santa Maria in dem gleichnamigen Ort an den Start zu gehen. Das war 2009.
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Das Konzept basiert bis heute auf einem Beratungs- und Kauferlebnis mit Wohlfühlcharakter, ausgeprägter Fachkompetenz und einem breiten Produkt- und Markenangebot, das sich im Laufe der Zeit nicht nur in Santa Maria del Camí selbst, sondern auch in der weitläufigen Umgebung herumgesprochen hat. So entstand mit den Jahren ein ständig größer werdender lokaler Kundenstamm, der López und Roman mit Vertrauen und Treue belohnte. „Es war am Anfang nicht leicht, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, die auf Neuankömmlinge erst einmal misstrauisch und abwartend reagieren“, erklärt Vannesa López. Doch die Mühe und Geduld haben sich gelohnt.
Maßgefertigte Warenträger aus edlem Nussbaumholz zwischen Messingstangen im Mid-Century-Style begrüßen die Kunden im Eingangsbereich (Foto: Óptica Santa María Boutique)
„2019 sind wir in Santa Maria del Camí sogar in ein größeres Ladengeschäft umgezogen, haben unser Sortiment überarbeitet und zunehmend auf extravagante und innovative Nischen-Marken gesetzt, um uns besser von der Konkurrenz abzuheben. Die Zeit der Pandemie kam uns sogar zugute, denn als Augenoptiker durften wir geöffnet bleiben. Optik Santa Maria wurde mitunter zum Treffpunkt und Anlaufstelle für die Kundschaft, die das Bedürfnis hatte, ihre Wohnungen mal verlassen und ein Schwätzchen halten zu können. Eine gute Gelegenheit, um dabei gleichzeitig das etwas abgewandelte und modernisierte Brillenangebot besser kennenzulernen und sich darauf einzulassen“, erklärt Andrés Roman. Das habe das Zugehörigkeitsgefühl und die gegenseitige Wertschätzung mit der Kundengemeinde noch weiter bestärkt. Beharrlichkeit, Geduld und Courage haben sich ausgezahlt: Seit dem Umzug in größere Räumlichkeiten und der Neuausrichtung habe sich der Umsatz vervierfacht, berichten die Besitzer stolz.
Damit verfügten die Gründer auch über den Kapitalgrundstock, um das Projekt für eine Filiale in der Hauptstadt Palma in Angriff zu nehmen und ihr kuratiertes Angebot unabhängiger Brillenmarken samt kompetenten und vertrauensvollen Service einem noch breiteren lokalen, aber auch internationalen Publikum zugänglich zu machen. Das Konzept sollte vor allem, wie schon beim Original, ihrem Anspruch „wir sind anders gestrickt“ gerecht werden und sich vom Angebot, aber auch vom Look and Feel traditioneller Optik-Filialisten deutlich abheben und alle potentiellen Kunden-Touchpoints konsequent miteinbeziehen.
Für das ehrgeizige Boutique-Projekt auf der Ferieninsel kam noch ein dritter Partner hinzu, der Optometrist José Plasencia. Zunächst musste allerdings erst die geeignete Location her. Fündig wurden sie in der Calle Jaume de Santacília, einer gepflegten Einkaufstraße in Palmas quirliger Stadtmitte. Wer von der wuseligen Avenida de Jaume III in die Straße Baró de Santa María del Sepulcre mit ihren kleinen Geschäften und Cafés abbiegt, kann die Optik-Boutique wie eine Leuchtturmspitze am oberen Ende sehen. Der Standort liegt in einer verhältnismäßig ruhigen Ecke, die von Einheimischen und Besuchern der Insel gleichermaßen frequentiert wird.
Brillen zelebrieren und inszenieren
Dann ging es an das innenarchitektonische Konzept, nach dem Motto: „Brillen sollen bei uns nicht einfach gezeigt, sondern zelebriert und inszeniert werden.“ Dafür holten sich die drei Nuria Serrano Gari ins Boot, eine Designerin der mallorquinischen Design-Agentur Nuurstudio. Sie habe für das sorgfältig ausgesuchte Angebot unabhängiger Brillenmarken wie unter anderem Theo, Nina Mûr, Massada, Andy Wolf, Vava, L.G.R, Eyepetizer eine passende Bühne im „Mid-Century Stil“ geschaffen. Dieser Stil steht für zeitlose Eleganz und Schlichtheit mit Fokus auf Wohnlichkeit, er ist geprägt von klaren, geometrischen Linien, sanft geschwungenen, organischen Formen und einer hohen Funktionalität.
Abb. links: Indirekt beleuchtete Wandnischen und -regale als Brillenbühne. An der verspiegelten Decke glitzern die Wellen – eine Hommage an das Balearen Meer; Abb. rechts: Der separate Raum mit ruhiger Atmosphäre für die individuelle Kundenberatung ist mit beige-braunem Terrazzo an Boden und Wänden gestaltet (Fotos: Óptica Santa María Boutique)
Beim Betreten des Ladenlokals beeindruckt die Kombination aus einem warmen, dunklen Nussbaumholz mit kühlem, mattem Metall und einer erdigen Farbpalette, die durch kräftig kolorierte Akzente bei den Stühlen und einzelnen Dekoelementen aufgelockert wird. Das helle Nussbaumparkett im Fischgrätmuster gibt mit dem pfeilartigen Holzbild die Richtung auf der Fläche vor. Beim Durchlaufen sind alle Details ohne visuelle Unterbrechungen gut einsehbar und die kleinen Wandnischen wecken den Entdeckergeist. Die Möbel und Verkleidungen sind ebenfalls aus Nussbaumholz maßgefertigt. Die Brillenschubladen der Sideboards sind mit originellen Wasserhahn-Griffen aus Messing versehen.
Im Eingangsbereich empfangen den Besucher zwei Ausstellungsflächen aus achteckigen, an schlanken Messinggestängen aufgehängten Holzregalen. Die lange, indirekt beleuchtete Ausstellungsnische in der Wand gegenüber hat „runde Ecken“, eine goldfarbene Innenseite und einen weißen Hintergrund. Zusammen mit den darin nach Farben geordneten Brillenfassungen wirkt die Szenerie wie eine Kunstinstallation und bildet einen schönen Kontrast zu den strengen, geometrischen Linien. Die Tische mit organischen Formen wirken leicht. Stühle in gelb und rot setzen fröhliche, lebhafte Farbakzente. Das gründlich durchdachte und detailgenau umgesetzte Beleuchtungskonzept hebt die Brillenfassungen hervor und ist Teil des Storytellings. Designerlampen wie Nuvol Doble von Contain, Bellhop von Flos oder Cestita von Santa & Cole vervollständigen das Image handwerklichen Könnens und dekorativer Expertise.
Intime Boutique-Atmosphäre
Die Wände wurden im Farbton Nr. 299 „De Nîmes” von Farrow & Ball gestrichen, für den die Farbe der ersten Denim-Arbeitskleidung aus der gleichnamigen Stadt Pate stand. Die tiefgründigen, graublauen Farbnuancen strahlen Ruhe aus, bilden aber gleichzeitig den perfekten Hintergrund für die Brilleninszenierung und verleihen dem Geschäft seine intime Boutique-Atmosphäre. Der extravagante Farbton ist an den inliegenden Wänden mit edlem beige-braunen Terrazzo kombiniert. Ein weiterer Hingucker ist die mit welligen Spiegelpaneelen verkleidete Decke mit indirektem Lichtrahmen. Sie reflektiert das Blau der Wände und erinnert an Meereswellen – eine Hommage an das Balearen Meer.
Ob Deko-Objekt oder Tischlampe, jedes Element fügt sich harmonisch in das Gesamtkonzept ein und nichts bleibt dem Zufall überlassen. López und Roman legen bei den Styling-Details stets selber Hand an und sorgen für den emotionalen Touch, der ihre Optik-Boutique in eine lebendige Bühne verwandelt: frische Blumen und handverlesene Designklassiker wie Wooden Dolls von Vitra, Kerzenhalter, Designer-Vasen und -Lampen, Spiegel in Augenform oder mit Augen bedruckte Porzellanbecher. Dabei besticht die Kombination matter und glänzender Oberflächen, aber auch warmer und kühl wirkender Farben.
Vannesa López ist die Seele des Geschäfts und lässt es sich nicht nehmen, mitunter die Neuerscheinungen höchstpersönlich auf dem Instagram-Kanal vorzuführen. Ihre sympathische, positive Ausstrahlung und ihr stylisches Auftreten machen sie zur perfekten Markenbotschafterin und Gastgeberin in der Optik-Boutique Santa Maria. Überzeugen Sie sich selbst und schauen bei Ihrem nächsten Besuch auf Mallorca einfach mal rein!
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Barbara Jäger schreibt als Retail-Marketing-Fachfrau für verschiedene Fachmagazine über internationale Themen und Trends. Ihre Trendforschung und Recherche führt sie regelmäßig weltweit in viele internationale Städte.