Gutes Sehen für alle Menschen: Mit dieser Vision gründete Martin Aufmuth 2012 den Verein EinDollarBrille (Erlangen). Mittels seiner Erfindung, einer einfachen Biegemaschine, mit der Brillen lokal und ohne Strom produziert werden können, konnten bis September 2025 eine Million Brillen ausgegeben werden.
Gutes Sehen für alle Menschen: Mit dieser Vision gründete Martin Aufmuth (hier 2016 in Malawi) 2012 in Erlangen den Verein EinDollarBrille (Bild: Deniz Ispaylar, EinDollarBrille)
Die Materialkosten für die entwickelte Brille aus robustem Federstahldraht liegen bei rund einem US-Dollar, verkauft werden sie für zwei bis drei orts-übliche Tageslöhne. Dieses nachhaltige Konzept ermöglicht Augengesundheit für Menschen, die sie sich zuvor nicht leisten konnten oder keinen Zugang hatten. Doch die internationale Arbeit des Vereins in elf Ländern geht mittlerweile weit über die Herstellung von Brillen hinaus.
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„Eine Million Brillen – das sind eine Million Menschen, die wieder arbeiten, lernen, lesen und am Leben teilnehmen können”, sagt Martin Aufmuth, Gründer der EinDollarBrille. „Obwohl wir nicht genau sagen können, wer in welchem unserer Programm-Länder die eine Million-ste Brille bekommen hat, erinnere ich mich noch sehr gut an den Menschen in Uganda, der vor über zehn Jahren unsere erste Brille erhalten hat. Seine Reaktion werde ich nie vergessen – eine Brille verändert alles.”
Mittels Aufmuths Erfindung, einer einfachen Biegemaschine, können Brillen lokal und ohne Strom produziert werden (Bild: Martin Aufmuth, EinDollarBrille)
Eine Million ausgegebene Brillen sind nicht nur für den Erlanger Verein EinDollarBrille und seine Partner vor Ort ein bedeutender Meilenstein, sondern auch ein wichtiger Schritt für die Bekämpfung einer globalen Notlage. Denn weltweit leben laut Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) über 950 Millionen Menschen, die eine Brille benötigten, sie sich aber nicht leisten können oder aber keinen Zugang zu augenoptischer Grundversorgung haben.
Die Folgen der Fehlsichtigkeit sind fatal und haben oft lebenslange Auswirkungen: Kinder können nicht richtig lernen, Erwachsene nicht arbeiten und das Überleben ihrer Familien sichern. Mit Einkommens-Verlusten in Höhe von 269 Mrd. US-Dollar pro Jahr sind die Konsequenzen ebenso für Länder und ihre Volkswirtschaften gravierend. Hier kommt die Vision der EinDollarBrille zum Tragen: Alle Menschen weltweit sollen permanenten Zugang zu bezahlbarer und qualitativ hochwertiger Augen-Versorgung haben, insbesondere auch zu Brillen.
EinDollarBrille: Wirkungs-orientiertes Konzept hat sich bewährt
Dabei setzt der Verein auf ein wirkungs-orientiertes Konzept, das einen nachhaltigen Einfluss auf das Gesundheitssystem und die Gesellschaft der einzelnen Länder übt. Ausgehend von der innovativen Biegemaschine und kostenlosen Sehtests sowie Aufklärungs-Arbeit in Schulen und Gemeinden hat die EinDollarBrille gemeinsam mit Augenärztinnen und Augenoptikern ein einjähriges Ausbildungs-Programm für augenoptische Fachkräfte entwickelt. Dies wirke dem gravierenden Mangel an Fachpersonal entgegen, dem sich viele Länder gegenübersehen.
Mit den sogenannten „GoodVision Technicians“ (GVTs) bildet die EinDollarBrille vor Ort Fachpersonal aus, das zuverlässig Brillen in der richtigen Sehstärke ausgeben, daneben Augen-Erkrankungen, wie Katarakt, erkennen und zur weiteren Behandlung an Spezialisten übergeben kann. Der Erfolg gibt der Organisation recht: Mit Burkina Faso hat 2024 das erste Land die Ausbildung offiziell anerkannt und in das nationale Ausbildungs-System übernommen.
Bis September 2025 konnten eine Million Brillen ausgegeben werden (Bild: Martin Aufmuth, EinDollarBrille)
Darüber hinaus bildet die EinDollarBrille in den Programm-Ländern lokal Fachkräfte für die Herstellung sowie den Vertrieb der Brillen aus und schafft damit Arbeitsplätze in schwach entwickelten Märkten. Gezielt werden dabei auch Menschen angesprochen, die in ländlichen Gebieten leben, die aufgrund körperlicher Einschränkungen Unterstützung benötigen oder aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt sind. In Burkina Faso beschäftigt die Organisation beispielsweise den ersten blinden Mitarbeiter, der in der Brillen-Produktion tätig ist.
International gefragter Partner für Augen-Gesundheit
Dass Augen-Gesundheit eine globale Herausforderung ist und stärker in den Fokus der Bemühungen rücken muss, unterstreicht die Initiative „WHO Specs 2030“, von der die EinDollarBrille Mitgründer und Mitglied ist. Die Initiative hat zum Ziel, die Versorgung von Refraktionsfehlern bis 2030 um 40 Prozent zu steigern. Dieses Ziel wurde von den Mitgliedsstaaten der WHO als globales Vorhaben verabschiedet, um dem hohen Bedarf gerecht zu werden.
„Als Mitglied unter anderem der „International Agency for the Prevention of Blindness“ (IAPB) sowie durch die Orientierung an den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, kurz SDG) ist die EinDollarBrille im Kontext internationaler Partnerschaften gut gerüstet, um ihrer Vision „Gutes Sehen für alle“ ein großes Stück näher zu kommen“, so der Verein.