Seit Anfang April beschäftigt Förster Optik in Weilheim eine Augenoptikerin, die außerhalb des EU- und Schengenraums ausgebildet wurde – eine Premiere in Deutschland: Die 27-jährige Smahane El Mrabet kommt aus Marokko.
Premiere in Deutschland: Smahane El Mrabet wurde außerhalb des EU- und Schengenraums ausgebildet – Florian Förster heißt sie herzlich willkommen (Bild: Förster Optik)
Die neue Kollegin stammt aus einer Stadt in der Sahara namens Dakhla. 2021 schloss sie ihr Feinoptiker- und Optometrie-Studium mit Diplom erfolgreich ab. Zwei Jahre später machte sie zusätzlich ihren Bachelor in Soziologie. Neben ihrer Muttersprache Arabisch spricht sie Französisch und Englisch. Ihre Initiativ-Bewerbung im Frühjahr 2024 verfasste sie in fließendem Deutsch (im Selbststudium erlernt!), was die Geschwister Johanna und Florian Förster zusätzlich beeindruckte. „Nach ersten Zoom-Gesprächen war uns klar: Diese junge Frau bringt nicht nur Kompetenz, sondern auch eine enorme Willenskraft mit.“
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El Mrabet wurde nun als erste teilqualifizierte Augenoptikerin von der Handwerkskammer München anerkannt. Der letzte Schritt zum Gesellinnentitel ist eine neunmonatige zeitliche Nachqualifizierung im Betrieb, ohne weitere Prüfungen.
Die Hürden waren enorm, gesteht Inhaber und Geschäftsführer Florian Förster. „Nicht wegen mangelnder Bereitschaft, sondern weil es bei der HWK München kein Gleichwertigkeits-Prüfungsverfahren für diesen Fall gab. Wir mussten zahlreiche Unterlagen übersetzen lassen, Lehrpläne beschaffen und so weiter – allein die Anerkennungsprüfung dauerte über vier Monate. Erst über die Zentrale für Einwanderung für Fachkräfte in Mittelfranken erhielten wir klare Handlungs-Empfehlungen und einen strukturierten Ablauf.“
Der finanzielle Aufwand sei überschaubar gewesen, besonders im Vergleich zum immensen Wert, den eine solch motivierte Fachkraft ins Unternehmen bringe. „Würden wir es wieder tun? Auf jeden Fall. Trotz aller Hürden war diese Entscheidung goldrichtig – fürs Unternehmen, fürs Team, für die Branche als Ganzes. Solche Talente verdienen eine echte Chance.“
Das Potenzial sei enorm – werde aber zu wenig ausgeschöpft, so Johanna Förster, Assistenz Geschäftsleitung und Marketing-Fachfrau. „Unser Beispiel zeigt, dass hochqualifizierte Menschen aus dem Ausland bereit sind, große Hürden in Kauf zu nehmen, um hier arbeiten zu dürfen. Mit dem entsprechenden Willen, Geduld und Unterstützung lässt sich aus dieser internationalen Perspektive ein echter Mehrwert für unsere Branche schaffen.“
Nachgefragt bei: Smahane El Mrabet
Wieso eine Ausbildung in der Augenoptik?
Ich habe mich schon als Kind dafür interessiert. Wenn ich jemanden mit einer Brille gesehen habe, fand ich das immer sehr interessant. Deshalb habe ich beschlossen, Augenoptik zu studieren – in der Stadt Laâyoune in Marokko.
Was hat Sie nach Europa gezogen?
Europa bietet mehr Chancen und Möglichkeiten, besonders im Berufsleben. Ich habe mich für Deutschland entschieden, weil der medizinische Bereich hier sehr fortgeschritten ist. Ich sehe hier eine gute Gelegenheit, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und viel Neues zu lernen. Für mich ist das ein neuer Anfang für ein besseres Leben.
Ihr erster Eindruck nach ein paar Wochen hier?
Der Anfang war gut – meine Kollegen sind freundlich und offen. Der Start bei Förster Optik war sehr interessant. Das Fachgebiet ist hier sehr fortgeschritten und modern.
Was für ein Zufall: Ich durfte im März 2025 Smahane als Sitzbachbarin in Marroko im Bus von Marrakesch nach Agadir kennenlernen. Da stand sie kurz vor ihrem großen Schritt nach Deutschland zu gehen.
Sie und ihre Schwestern haben mich nachhaltig beeindruckt!
Smahane lud uns zum Iftarmahl / Tee trinken in ihre Wohnung ein, wo wir auch ihrer zwei jüngeren Schwestern kennen lernen durften. So unglaublich herzlich, offen, engagiert und ehrgeizig, so einen Willen und Einsatz habe ich selten erlebt. Auch ihre beiden Schwestern hatten Studien absolviert und zusätzlich praktische Ausbildungen mit den unbändigen Willen nach Europa zu kommen. In der Summe hat Smahane über 1000 Bewerbungen an Optiker-Betriebe in Deutschland geschickt.
Sehr toll und mutig von Förster Optik hier neue Wege zu gehen!
Und welch ein Glück habt ihr mit Smahane
Ich erlebe leider fast täglich welche Hürden, Vorurteile und Benachteiligungen Zugezogene in Österreich in Kauf nehmen müssen. Seit 2016 begleite ich eine Iranische Flüchtlings-Community , die bei uns in der Pfarre angedockt haben. Welche absurden Erlebnisse und Widrigkeiten ich in den fast 10 Jahren erlebt habe, ich könnte ein Buch schreiben!
Ich würde mir wünschen hier mehr Offenheit und flexible Zugänge zu ermöglichen. Wie gut doch Integration über den Arbeitsmarkt funktioniert und wie zermürbend das jahrelange Warten und erzwungene Nichtstun macht.
Was für ein Zufall: Ich durfte im März 2025 Smahane als Sitzbachbarin in Marroko im Bus von Marrakesch nach Agadir kennenlernen. Da stand sie kurz vor ihrem großen Schritt nach Deutschland zu gehen.
Sie und ihre Schwestern haben mich nachhaltig beeindruckt!
Smahane lud uns zum Iftarmahl / Tee trinken in ihre Wohnung ein, wo wir auch ihrer zwei jüngeren Schwestern kennen lernen durften. So unglaublich herzlich, offen, engagiert und ehrgeizig, so einen Willen und Einsatz habe ich selten erlebt. Auch ihre beiden Schwestern hatten Studien absolviert und zusätzlich praktische Ausbildungen mit den unbändigen Willen nach Europa zu kommen. In der Summe hat Smahane über 1000 Bewerbungen an Optiker-Betriebe in Deutschland geschickt.
Sehr toll und mutig von Förster Optik hier neue Wege zu gehen!
Und welch ein Glück habt ihr mit Smahane
Ich erlebe leider fast täglich welche Hürden, Vorurteile und Benachteiligungen Zugezogene in Österreich in Kauf nehmen müssen. Seit 2016 begleite ich eine Iranische Flüchtlings-Community , die bei uns in der Pfarre angedockt haben. Welche absurden Erlebnisse und Widrigkeiten ich in den fast 10 Jahren erlebt habe, ich könnte ein Buch schreiben!
Ich würde mir wünschen hier mehr Offenheit und flexible Zugänge zu ermöglichen. Wie gut doch Integration über den Arbeitsmarkt funktioniert und wie zermürbend das jahrelange Warten und erzwungene Nichtstun macht.