Fielmann wirbt bereits seit einiger Zeit offensiv mit einem „Augen-Check-Up“ und gilt nicht nur auf Seiten der Verbraucher als Zugpferd in dieser Hinsicht, wenngleich DM gewiss auch genügend Aufmerksamkeit zu Teil wird, um Augenscreenings publik machen zu können. Nun zieht auch Apollo-Optik nach und bietet ein vergleichbares Screening an ausgewählten Standorten an. Für Thorsten Boss als eyebizz-Autor und Branchenbeobachter ein willkommener Anlass, das Angebot einmal selbst auszuprobieren, er hat dazu den Apollo-Flagshipstore auf der Frankfurter Zeil besucht.
Foto: Screenshot
Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Der Store gehört mit rund 450 Quadratmetern Verkaufsfläche zu den größten Apollo-Filialen Deutschlands und dient als modernes Aushängeschild des Unternehmens. Entsprechend großzügig wirkt das Ambiente: viel Licht, breite Markenflächen und eine insgesamt offene Storearchitektur. Beim Betreten werde ich freundlich begrüßt und zunächst – ganz im Zeitgeist und Sinne der „Apollo-Mutter“ EssilorLuxottica – auf die Smart-Glasses Ray-Ban und Oakley aufmerksam gemacht.
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Ein leiser Start
Interessant ist dabei: Vom neuen Augen-Check-Up-Angebot selbst ist vor Ort und in der allgemeinen Kommunikation Apollos bislang erstaunlich wenig zu sehen. Große Werbekampagnen bleiben bislang genauso aus wie prominente Hinweise im Store. Das lässt vermuten, dass Apollo zunächst den strukturellen Roll-out vorantreibt, bevor das Angebot breiter beworben wird.
Meine Recherche bestätigt diesen Eindruck. Seit Ende 2025 scheint das Screening schrittweise an weiteren Standorten eingeführt zu werden. Aktuell lassen sich rund 20 Apollo-Filialen mit Augen-Check-Up-Angebot identifizieren (Stand April 2026). Nicht verifiziert, aber es wirkt derzeit so, als ob Apollo monatlich etwa zwei bis drei neue Standorte hinzufügt – ein moderates, aber kontinuierliches Wachstum.
Terminbuchung und erster Eindruck
Die Terminvereinbarung erfolgt online und funktioniert erfreulich unkompliziert. Laut Website dauert der Augen-Check-Up etwa 30 Minuten, im Kalender werden dafür rund 25 Minuten reserviert.
Der Leistungsumfang ist bei einem Preis von 49 Euro klar definiert:
„Sehtest Pro“ mit Refraktionsbestimmung
Messung des Augeninnendrucks
Netzhautscan mit Weitwinkel-Fundusaufnahme (bis 133°)
augenärztlich kommentierter Ergebnisbericht innerhalb von 48 Stunden
Ein kleiner Lapsus passiert mir allerdings direkt bei der Buchung: Statt des Augen-Check-Ups wähle ich versehentlich eine Brillenberatung mit Sehtest. Der reservierte Terminslot lässt sich jedoch problemlos stornieren und eine neue Buchung ist unverzüglich möglich. Ein Blick in den Onlinekalender zeigt zudem, dass die Nachfrage aktuell noch überschaubar ist. Am jeweiligen Tag sind meist nur ein bis zwei Termine belegt – ein weiteres Indiz dafür, dass sich das Angebot noch in der Einführungsphase befindet.
Der Ablauf: strukturiert mit kleinen Reibungen
Pünktlich zum Termin werde ich im Store abgeholt und bekomme zunächst einen Sitzplatz angeboten. Der Apollo-Mitarbeiter erklärt kurz den Ablauf und bestätigt den Preis. Etwas überraschend ist allerdings, dass meine zuvor online eingegebenen Kontaktdaten nicht automatisch im System erscheinen. Die Daten werden deshalb noch einmal vollständig manuell erfasst und anschließend auf mögliche Übertragungsfehler geprüft.
Apollo-Flagship-Store in Nürnberg (Foto: Apollo Optik)
Die eigentlichen Messungen beginnen am Essilor WAM-800, der Autorefraktion und Tonometrie kombiniert. Nach einer kurzen Anamnese erfolgt die Messung relativ zügig – allerdings ohne größere Erläuterung der einzelnen Schritte. Anschließend geht es in den Sehtestraum, der auffallend im EssilorLuxottica-Design gehalten ist. Dort folgt die subjektive Refraktion und eine Visusbestimmung. Interessant: Obwohl ich eine Brille mit Relax-Gläsern trage, wird weder nach Bildschirmarbeit noch nach Nahkomfort gefragt – ein Punkt, der im klassischen Beratungsgespräch normalerweise eine größere Rolle spielen sollte.
Fundusaufnahme mit überzeugender Bildqualität
Der nächste Schritt ist der Netzhautscan. Hier kommt eine Weitwinkel-Funduskamera zum Einsatz. Trotz Tageslicht im Raum und meiner relativ kleinen Pupillen, gelingt die Aufnahme erstaunlich gut – die Bildqualität wirkt überzeugend. Die zuvor erfassten Daten müssen zunächst noch einmal im System gesucht werden, danach funktioniert der Ablauf jedoch problemlos. Die Fundusbilder werden kurz gemeinsam angeschaut, ebenso die Ergebnisse der Refraktion und der Augeninnendruckmessung.
Die endgültige Bewertung erfolgt allerdings erst im nachgelagerten Bericht, der laut Ankündigung innerhalb von 48 Stunden per E-Mail verschickt wird.
Der Bericht – Telemedizin im Hintergrund
Der Bericht wird von einem Augenarzt erstellt und über eine digitale Plattform übermittelt. In meinem Fall lautet das Ergebnis „abklärungsbedürftige Auffälligkeiten“. Konkret werden leichte Auffälligkeiten am Sehnervenkopf beschrieben und eine augenärztliche Kontrolle innerhalb von drei bis sechs Monaten empfohlen.
Der Bericht enthält dabei die wichtigsten Messdaten: Visus, Refraktion, Augeninnendruck sowie die Fundusbilder selbst. Wichtig ist auch der rechtliche Hinweis: Der Bericht stelle ausdrücklich keine medizinische Diagnose dar, sondern soll mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen und eine augenärztliche Abklärung anstoßen.
Eine Einordnung
Im Vergleich zu den zuvor getesteten Screening-Systemen (siehe eyebizz 1.2026) fällt vor allem der strukturierte Telemedizin-Ansatz auf. Apollo setzt auf eine klassische augenärztliche Befundung vergleichbar mit dem Angebot bei Fielmann also ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Das Ergebnis ist ein Bericht, der für den Kunden gut verständlich bleibt und gleichzeitig eine klare Handlungsempfehlung liefert. Zur Terminvereinbarung beim Augenarzt wird auf die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung verwiesen.
Solides Screening mit guter Kundenführung
Mein persönliches Fazit fällt insgesamt positiv aus. Der Ablauf wirkt modern, der Prozess ist grundsätzlich gut organisiert und die Betreuung durch denselben Mitarbeiter über den gesamten Termin hinweg schafft Vertrauen.
Einige Details – etwa die Datenintegration oder die Kommunikation einzelner Messschritte – lassen sich sicherlich noch verbessern. Für ein niederschwelliges Screening-Angebot mit angeschlossenem Augenärztenetzwerk wirkt das Konzept jedoch erstaunlich ausgereift.
Auch preislich positioniert sich Apollo bewusst etwas oberhalb des aktuellen Wettbewerbs. Während andere Anbieter inzwischen mit Screeningpreisen um rund 35 Euro (z.B. Fielmann) werben, bleibt Apollo bei 49 Euro. Für die gebotene Leistung und den Standort im Frankfurter Flagshipstore erscheint mir dieser Preis jedoch durchaus angemessen.
Vor allem aber zeigt der Besuch eines sehr deutlich: Der Screening-Markt in der Augenoptik entwickelt sich derzeit mit hoher Geschwindigkeit – und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick hinter die Kulissen.
Aus dem Blickwinkel eines Augenarztes
Eine Meinung zur Zusammenarbeit von Augenoptik und Augenheilkunde
Nach dem Besuch bei Apollo Optik und der Durchführung des dort angebotenen Augen-Check-up, kam wie angekündigt der Ergebnisbericht. Der wies dann auf „abklärungsbedürftige Auffälligkeiten“ hin und empfahl eine augenärztliche Kontrolle. Um die Hintergründe der telemedizinischen Befundung und die medizinische Einordnung des Befundes besser verstehen zu können, bat eyebizz den befundenden Augenarzt zum Gespräch. Im Fokus des Interviews standen die Rolle des Arztes im Screeningprozess, diagnostische Grenzen niederschwelliger Angebote und die Frage, wo Screening endet und ärztliche Diagnostik beginnt.
Interessante Aspekte, erst recht aus dem Blickwinkel eines Augenarztes. Der wiederum wird im Apollo-Ergebnisbericht mit Namen abgedruckt, für das Interview in einer augenoptischen Fachzeitschrift aber mochte er nicht genannt werden – vermutlich aus berufspolitischen Gründen? Das passt zu einigen weiteren Vorkommnissen rund um das Thema Screening bei Apollo, spielt aber letztlich inhaltlich keine Rolle. Nach intensiver Diskussion innerhalb der eyebizz-Redaktion und mit dem Autor, stand der Entschluss fest, den uns bekannten Interviewpartner nicht zu nennen und dessen Namen im Ausschnitt des Ergebnisberichtes unkenntlich zu machen.
Im Gegenzug erhalten wir einen offen Gesprächspartner mit einer Meinung zur Zusammenarbeit von Augenoptik und Augenheilkunde und der medizinischen Bewertung des konkreten Befundes aus der Sicht eines Augenarztes.
eyebizz: Wissen Sie in der Regel, aus welcher Apollo-Filiale oder von welchem Augenoptikbetrieb die Aufnahmen stammen – oder erfolgt die Bewertung anonymisiert?
Für meine Auswertung ist der konkrete Optikerstandort in der Regel nicht relevant. Die Information lässt sich im Dokument nachvollziehen, spielt für die Auswertung jedoch keine Rolle. Lediglich bei Mängeln in der Bildqualität erfolgt über das Portal eine Rückfrage beim Augenoptiker.
Wie viel Zeit benötigen Sie durchschnittlich für die Befundung eines solchen Screening-Datensatzes?
Im Durchschnitt handelt es sich um wenige Minuten. Komplexere Fälle können selbstverständlich mehr Zeit erfordern. Im Wesentlichen ist der Prozess mit einer orientierenden „Blickdiagnose“ vergleichbar und deutlich schneller als eine reguläre Konsultation beim Augenarzt.
Was motiviert Sie persönlich, an einem telemedizinischen Befundungsmodell mitzuwirken?
In meinem beruflichen Werdegang bestand frühzeitig ein persönlicher Kontakt zu diesem Modell, sodass ich die Entwicklung aktiv begleiten wollte. Besonders überzeugt hat mich der soziale Aspekt: die niedrigschwellige Zugänglichkeit für unterversorgte Regionen, etwa ländliche Gebiete. Außerdem finde ich es wichtig, dass wir Augenärzte in solche Modelle einbezogen werden und die Auswertung nicht an uns vorbei mit reiner KI-Analyse erfolgt. Denn dabei können zum heutigen Zeitpunkt durchaus Fälle übersehen werden, die eigentlich hätten zum Augenarzt gehen sollen.
Darüber hinaus bietet die Möglichkeit zur Tätigkeit im Homeoffice eine attraktive Ergänzung zum klinischen Alltag.
Welche Vorteile bietet eine Weitwinkelfunduskamera im Screening?
Grundsätzlich eignen sich sowohl Standard- als auch Weitwinkelkameras für eine fundierte Auswertung. Die Weitwinkeltechnologie ermöglicht jedoch zusätzlich die Darstellung peripherer Netzhautbereiche. Dadurch können beispielsweise bestimmte periphere Auffälligkeiten, die Hinweise für diabetische Veränderungen oder Tumore sein könnten, erkannt werden.
Insgesamt handelt es sich zwar eher um wenige Fälle, dennoch sehe ich so etwas regelmäßig – und gerade diese sind potenziell von hoher Relevanz für die Betroffenen.
Welche diagnostischen Verfahren setzen Sie bei auffälligen Befunden in Ihrer Praxis ein?
Prinzipiell ist zu sagen, dass im Screening-Setting keine Diagnosen gestellt werden. Dies ist allerdings auch nicht entscheidend, denn es soll darum gehen, einen niederschwelligen Zugang zu ermöglichen und bei Auffälligkeiten eine Vorstellung bei einem Augenarzt zu empfehlen, idealerweise mit einem Hinweis auf die Dringlichkeit. Das ist ein weiterer Punkt, warum Augenärzte hier involviert sein sollten: Eine KI kann aktuell keine Dringlichkeit einstufen.
In Ihrem Fall gab es Auffälligkeiten am Sehnervenkopf, die weiter abgeklärt werden sollten, um ein Glaukom auszuschließen. In einem solchen Fall würde man in der Regel in der Praxis zum Beispiel ein OCT (Anm. der Redaktion: Optische Kohärenztomographie) zur weiteren Abklärung einsetzen. Daneben können Kollegen ergänzend eine Perimetrie durchführen, um zusätzliche diagnostische Sicherheit zu gewinnen. Wichtig: Eine Diagnose kann nur beim Augenarzt in einer Praxis oder Klinik gestellt werden.
Viele Patienten fragen: Ersetzt ein regelmäßiges Screening nicht den Besuch beim Augenarzt?
In anderen Ländern erfolgt Primary Eyecare zum Teil vollständig beim Augenoptiker/Optometristen, dort ist es nicht nur ein „Screening“. In Deutschland ist dies zum Stand heute anders. Hier ist beim Screening stets darauf hinzuweisen, dass ein Screening keinen Augenarztbesuch ersetzen kann. Screening in Deutschland hat wie eben beschrieben das Ziel, Abweichungen von der Norm zu entdecken und im Bedarfsfall eine weitere und umfassende Abklärung bei einem Augenarzt zu empfehlen. Die Früherkennung kann so unterstützt werden.
Gleichzeitig hat dieses Vorgehen auch Grenzen: Im Optiker-Setting stehen meist nicht alle Geräte zur Verfügung, die für eine ganzheitliche Augenuntersuchung notwendig wären, wie zum Beispiel ein OCT. Eine qualifizierte augenärztliche Diagnostik beruht daneben häufig nicht nur auf einem Einzelbefund, sondern insbesondere auf Verlaufskontrollen und dem Vergleich mit früheren Untersuchungen. Gerade diese historischen Vergleichsdaten liegen in niederschwelligen Screening-Systemen oft noch nicht vor. Entsprechend kann ein Screening derzeit in erster Linie zwischen „unauffällig“ und „auffällig“ unterscheiden, ersetzt jedoch keine eigentliche Diagnose.
Warum empfehlen Sie trotz vorhandener Weitwinkelaufnahme eine Untersuchung mit pupillenerweiternden Tropfen?
Myopie gilt als relevanter Risikofaktor, insbesondere ab etwa -6 Dioptrien sollte eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle erfolgen. Unter Mydriasis, also unter Gabe von pupillenerweiternden Tropfen, kann eine dynamische Netzhautuntersuchung durchgeführt werden. So lässt sich die Netzhaut in unterschiedlichen Blickrichtungen untersuchen und es können auch Areale beurteilt werden, die kameratechnisch nicht erfasst werden. Zudem hat der Augenarzt die Möglichkeit ein Kontaktglas zu verwenden um noch weiter, sozusagen um die Ecke, in die Peripherie zu schauen.
Dies erhöht die diagnostische Sicherheit, etwa bei peripheren Netzhautforamina (Anm. Oberbegriff für Netzhautdefekte). Zudem ist bei myopen Patienten das Risiko für Glaukomveränderungen erhöht. Hier kann eine differenziertere Beurteilung des Sehnervenkopfes bei schwer einsehbaren Patientinnen gewährleistet werden.
/// TB
Nebengeräusche einmal gescreent
Eine Einschätzung der Auffälligkeiten: keine Diagnose!
Von Ingo Rütten
Losgelöst aber zeitlich passend zum Screening-Test bei Apollo und dem Interview mit dem Augenarzt, der nicht genannt werden möchte, bekam die eyebizz-Redaktion „sachdienliche Hinweise“ zugespielt, die eine Beteiligung von Mirantus Health am Angebot von Apollo naheliegen lassen. Noch mehr als das: Ein Augenoptiker störte sich offensichtlich nicht nur daran, sondern auch grundsätzlich an der Zusammenarbeit von Mirantus mit Essilor – denn schließlich sei der Weg seiner Kundendaten hin Richtung Apollo ein kurzer. Außerdem bemängelte er, dass in einem Akquisegespräch die Essilor-Funduskamera beworben worden sei.
Auch wenn wir hier zunächst keine Verfehlungen erkennen konnten, dachten wir, das screenen wir mal und schauen nach, ob wir wirklich etwas Auffälliges finden. Zumal der Redaktion auch ein Schreiben eines Augenarztes vorliegt, der darin ausdrücklich erklärt, zu keinem Zeitpunkt Teil des Ärztenetzwerks von Mirantus gewesen zu sein. Grund der Feststsellung: Es sei mit seinem Namen und seiner Praxis vom Mirantus-Team geworben worden. Der Ort der Augenarztpraxis liegt nicht allzu weit entfernt vom Betrieb des oben erwähnten Kollegen – Zufall? Beide lehnen einen Interviewwunsch dazu ab, genauso wie die Nennung ihrer Namen.
Kenner der „Screening-Szene“ erinnern sich
Das alles kann einem schon ein bisschen dubios vorkommen. Wenngleich sich lange Beobachter der Branche (und Essilors) und Kenner der „Screening-Szene“ mitunter erinnern. Einerseits an die Zeit, als ein Aufschrei durch die Branche ging, als Essilor einen Onlineshop (nach dem anderen) kaufte, oder als Essilor und Luxottica später fusioniert Grand Vision und damit Apollo kauften und so weiter. Während der Branche dabei vornehmlich die Vertikalisierung eines Brillenglasherstellers sauer aufstieß, sind es heute häufiger Bedenken, Kundendaten könnten einen ungewollten Weg nehmen.
Zeiss holte sich einst ein blaues Auge mit der Idee, den Brillenpass abzuschaffen und von sich aus eine digitale Kundenkarte anzubieten. Und auch der Servicegedanke der Kontaktlinsenhersteller, während der Corona-Pandemie die Belieferung der Augenoptiker-Kontaktlinsenkunden direkt zu übernehmen, fand nicht allerorten Freunde.
Zuletzt, und damit zurück zum Screening, fasste eyebizz vor rund zwei Jahren bei Ocumeda nach, weil sie sich als Kooperationspartner von Fielmann einen Namen in der Branche machten, während sie doch schon zu mehr als 90 Prozent zur Fielmann Gruppe gehörten. Auch hier gab es nur inoffiziell geäußerte Bedenken hinsichtlich der Kundendaten, weil Ocumeda ja auch abseits von Fielmann in der Augenoptik Partner sucht und findet.
Die Geheimnistuerei damals nahm schnell ein Ende, wenngleich die Zugehörigkeit zu Fielmann auch heute noch nicht aktiv kommuniziert wird. Auch andersrum übrigens nicht, immerhin aber werden die Anteilsverhältnisse im Geschäftsbericht von Fielmann abgedruckt. Und nun also Essilor und Mirantus, das ist offiziell. Unterschied: Mirantus Health ist Unabhängigkeit und eben keine Tochter von Essilor, sondern nur ein Kooperationspartner – zumindest bislang, man weiß ja nie.
Schweigen im Wald
Und Apollo und Mirantus? Schweigen im Wald. Dabei muss man an dieser Stelle kein Detektiv sein, um wissen zu können, wer den Augen-Check-Up von Apollo möglich macht, oder? Kommuniziert und kommentiert wird das indes nicht, auch wenn es belastbare Auffälligkeiten dazu in unserem Screening gibt und für jeden ersichtlich zumindest gab.
Doch weder auf der Apollo-Website, noch von Mirantus gibt es etwas dazu – den Verbraucher juckt das auch nicht. Letztlich ist es wohl diese fehlende Transparenz, die innerhalb der Branche bei manchem Misstrauen schürt, andererseits scheint es beim Thema Screening ohnehin gerade etwas an Offenheit und klaren Bekenntnissen zu fehlen – wie die fehlende Nennung von Ross und Reiter auf diesen Seiten belegt. Bei Mirantus gebe es ein Angebot für Essilor und eines für unabhängige Augenoptiker, man müsse selbst überhaupt nicht im Vordergrund stehen, hört man dazu aus Berlin. Braucht es wirklich mehr, die Sache ist doch klar! Fehlende Transparenz ist an dieser Stelle ein subjektiver Eindruck.
Skepsis beim Thema Kundendaten mögen nachvollziehbar sein, aber genauso haltlos sind reflexartige Verdächtigungen in dieser Hinsicht. Allein die DSGVO sieht da strenge Spielregeln vor, Mirantus muss in der Zusammenarbeit außerdem Auftragsdatenverarbeitungsverträge unterzeichnen, die pauschale Unterstellungen überflüssig machen – das gilt für alle Anbieter von Screeninglösungen. Eine Weitergabe von Kundendaten – wohlgemerkt in die eine oder andere Richtung – ist und bleibt verboten und ist daher eine rein theoretische Möglichkeit.
Wer würde etwas anderes erwarten?
Also, bleibt noch die Bewerbung der Essilorkamera. Ganz ehrlich? Wer würde von einem Essilor-Partner etwas anderes erwarten, als dass er diese Funduskamera empfiehlt? Mirantus integriert diese Kamera in die Angebote für die unabhängigen Augenoptiker und betont zugleich, dass deren Lösung mit jeder Funduskamera funktioniere: vorausgesetzt die Bilder haben eine gute Qualität.
Noch einmal: Dieses „Screening“ ist keine Diagnose und ersetzt nicht die eigene Meinungsbildung. Die hier beschriebenen Auffälligkeiten lassen nach Ansicht des Autors aber keine Dringlichkeit erkennen, sofort – um im Bild zu bleiben – einen Arzt einzuschalten. Jener Ophthalmologe, dessen Schreiben besagt, er sei kein Mitglied des Mirantus-Netzwerks, kann wohl auch beruhigt sein. Seine Praxis sei nicht öffentlich gelistet und könne daher laut Mirantus demzufolge auch nicht als Mitglied des Netzwerks benannt werden, heißt es dazu auf Nachfrage. Eine bessere Recherche und ein bisschen weniger Spekulation, sprich: eine genauere Handlungsempfehlung ist aber erst möglich, wenn hierzu die Daten und Fakten offen gelegt werden dürfen – so ähnlich, wie das mit Fundusbildern ist: da muss auch das Bild stimmen, um eine Einschätzung liefern zu können. /// IR