Der ZVA hat seine Arbeits- und Qualitäts-Richtlinien für Augenoptik und Optometrie (AQRL) um ein eigenes Kapitel zum Myopie-Management erweitert. Die neuen Standards definieren die Anforderungen einer qualitäts-gesicherten Versorgung von Kindern mit progredienter Myopie.
Der ZVA hat seine Arbeits- und Qualitäts-Richtlinien für Augenoptik und Optometrie (AQRL) um ein eigenes Kapitel zum Myopie-Management zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen erweitert (Bild: ZVA / Peter Boettcher)
Die Erweiterung der AQRL wurde am 10. Oktober beschlossen, im Rahmen der ZVA-Obermeister-Tagung in Berlin. Das neue Kapitel 7 beschreibt das Myopie-Management als umfassenden Versorgungs-Ansatz mit Maßnahmen, die zur Verlangsamung der Myopie-Progression und zur Verringerung myopie-assoziierter Folge-Erkrankungen beitragen. Mit der Aufnahme des Myopie-Managements in die AQRL schaffe der ZVA (Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen ) eine einheitliche fachliche Grundlage für ein zunehmend relevantes Versorgungsgebiet der Augenoptik und Optometrie.
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Dr. Carolin Truckenbrod, Vorsitzende des Fach-wissenschaftlichen Ausschusses beim ZVA, betont: „Myopie-Management ist weit mehr als die Anpassung spezieller Brillengläser oder Kontaktlinsen. Eine qualitäts-gesicherte Versorgung setzt eine fundierte Risikoanalyse, objektive Messparameter und regelmäßige Verlaufskontrollen voraus. Mit dem neuen AQRL-Kapitel konkretisieren wir die fachlichen Anforderungen und geben den Betrieben eine klare Orientierung für die Umsetzung.“
ZVA: Augenlängen-Messung als zentraler Bestandteil
Ein Schwerpunkt der neuen Richtlinien liegt auf der strukturierten Erst-Untersuchung und der individuellen Risikoanalyse. Neben einer ausführlichen Anamnese gehören dazu unter anderem die altersgerechte Refraktions-Bestimmung, die Prüfung des Akkommodations- und Vergenz-Status, die Keratometrie sowie die optometrische Untersuchung der Augenabschnitte.
Als zentrale Prüfgröße im Myopie-Management definierten die AQRL die axiale Augenlänge. Ihre Messung ermögliche gemeinsam mit den weiteren Befunden eine differenzierte Beurteilung des Myopie-Risikos und der Progression. Zur Einordnung werden unter anderem alters-, geschlechts- und ethnien-bezogene Perzentil-Kurven herangezogen. So kann auch bei Kindern mit Prä-Myopie und entsprechenden Risikofaktoren frühzeitig ein Handlungsbedarf erkannt werden.
Evidenz-basierte Versorgung und Erfolgskontrolle
Für die optische Myopie-Kontrolle nennen die AQRL verschiedene evidenzbasierte Versorgungs-Optionen. Dazu zählen Brillengläser mit peripherem beziehungsweise multifokalem Defokussierungs-Prinzip, multifokale Kontaktlinsen mit peripherem Additions-Effekt sowie Orthokeratologie-Kontaktlinsen.
Die Richtlinien betonten ausdrücklich, dass die Versorgung mit entsprechenden Sehhilfen allein noch kein vollständiges Myopie-Management darstelle. Entscheidend sei eine kontinuierliche Verlaufskontrolle anhand objektiver Messwerte. Als Regel-Intervall werden hierfür sechs Monate empfohlen, bei Bedarf können kürzere Abstände von drei Monaten sinnvoll sein. Neben der Refraktion ist insbesondere die Veränderung der axialen Augenlänge zu beurteilen und mit dem physiologischen Augenlängen-Wachstum zu vergleichen.