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Im Rahmen der Sicht.Kontakte 2026

Obermeister-Tagung des ZVA: Austausch und klare Haltung

Im Rahmen der Sicht.Kontakte 2026 in Berlin kamen die ZVA-Delegierten am 10. Oktober zur Obermeister-Tagung zusammen. Sie befassten sich mit berufs-politischen Entwicklungen und der zukünftigen Rolle der Augenoptik in der Gesundheits-Vorsorge.

ZVA-Obermeister-Tagung 2026 Diskussion c ZVA Peter Magner
Diskussions-Runde bei der ZVA-Obermeister-Tagung 2026: (von links) Wolfgang Cagnolati (Optometrie Cagnolati), Kai Jaeger (ZVA), Dr. Alex Hein (Skleo Health), Beate Göpel (IVBS), Dr. Claus Gruber (Mirantus Health), Prof. Dr. Daniela Nosch (Fachhochschule Nordwest-Schweiz) und Peter Gumpelmayer (ECOO) diskutieren das Potenzial neuer Technologien und KI (Bild: ZVA / Peter Magner)

Erstmals hatten ZVA (Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen), VDCO (Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen) und IVBS (Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen) eine gemeinsame Eröffnung der Sicht.Kontakte gestaltet, um wissenschaftliche und berufs-politische Perspektiven stärker miteinander zu verbinden.

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In ihrer Begrüßungs-Ansprache sagte Antje Tauchert, Obermeisterin der gastgebenden Augenoptiker-Innung Berlin, sie wünsche sich, dass wir in der aktuellen Zeit alle wieder das Gespräch suchten, anstatt Toleranz gegen Ideologie zu tauschen. Dies griff ZVA-Präsident Kai Jaeger in seinem Bericht zur aktuellen Situation auf: Die gemeinsame Eröffnung sei mehr als ein neues Veranstaltungs-Format. Sie stehe für den Anspruch, auch über unterschiedliche fachliche und wirtschaftliche Vorstellungen hinweg miteinander im Gespräch zu bleiben: „Wir müssen bereit sein, unterschiedliche Positionen anzuhören und auch unbequeme Diskussionen zu führen. Das bedeutet nicht, das wir unsere eigenen Überzeugungen aufgeben. Im Gegenteil: Gesprächs-Bereitschaft und eine klare fachliche Haltung gehören für mich zusammen.“

Schwerpunkt-Thema Augen-Screening

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war das Thema Augen-Screening. In Impuls-Vorträgen und einer anschließenden Diskussions-Runde wurden unterschiedliche Modelle der optometrischen Gesundheits-Vorsorge mit deren Chancen und Grenzen betrachtet.

Dr. Alex Hein vom Augen-Screening-Anbieter Skleo Health stellte am Beispiel der Kooperation mit der Drogeriemarktkette dm vor, wie niedrigschwellige Screening-Angebote Menschen erreichen können, die sich bislang nicht mit ihrer Augengesundheit beschäftigt haben.

Kai Jaeger betonte in seinem anschließenden Impulsvortrag, dass es nicht allein auf den Zugang zur Untersuchung ankomme: „Niedrigschwellige Angebote können helfen, mehr Menschen mit der Augengesundheits-Vorsorge zu erreichen. Aber es gibt auch einen Bereich zwischen dem Angebot des Screenings und der augenärztlichen Abklärung im Falle von Auffälligkeiten: Entscheidend ist, dass qualifizierte Fachkräfte die Ergebnisse einordnen, verständlich erklären und die nächsten Schritte gegebenenfalls begleiten. Es braucht nicht nur einen Versorgungs-Pfad, sondern auch eine Versorgungs-Kontinuität – und genau diese können qualifizierte Augenoptikermeister und Optometristen in der Fläche bieten.“

Peter Gumpelmayer vom ECOO (European Council of Optometry and Optics) zeigte anhand des iScreen-Forschungs-Projekts zur Früh-Erkennung der Altersbedingten Makula-Degeneration, welches Potenzial in einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen Augenheilkunde und Augenoptik liegt.

Das Thema Screening knüpfte auch an die Zukunftsfragen an, die bereits am Vorabend im Rahmen der Feier zum 75-jährigen Bestehen des ZVA im Mittelpunkt gestanden hatten. Der gemeinsame Anspruch: neue Entwicklungen offen diskutieren und die Zukunft der Augenoptik aktiv mitgestalten, ohne sich vorhandene Kompetenzen absprechen zu lassen.

ZVA-Ehrenzeichen in Gold für Normungsarbeit

Zu Beginn der Tagung erhielt Wolfgang Müller aus Bad Essen mit dem ZVA-Ehrenzeichen in Gold die höchste Auszeichnung des Verbandes für sein jahrzehnte-langes ehrenamtliches Engagement, insbesondere in der Normungsarbeit. Er gehört seit vielen Jahren dem Fachwissenschaftlichen Ausschuss des ZVA an und bringt seine Expertise mit großer fachlicher Kompetenz und Beharrlichkeit in zahlreichen Normungsgremien ein.

Der ZVA-Präsident hob in seiner Laudatio hervor, dass die Normungsarbeit zwar häufig im Hintergrund stattfinde, für die Augenoptik aber von grundlegender Bedeutung sei. Wolfgang Müllers Einsatz stehe beispielhaft für eine Verbandsarbeit, die von persönlicher Verantwortung und dem Willen getragen werde, den Beruf voranzubringen. In seiner Dankesrede unterstrich Wolfgang Müller die Bedeutung kontinuierlicher fachlicher Weiterentwicklung; die einmal erworbene Meister-Qualifikation reiche angesichts neuer Technologien und sich wandelnder Anforderungen nicht aus.

Berufspolitische Bemühungen und Erfolge

Kai Jaeger gab im Rahmen der Tagung auch einen Überblick über wichtige rechtliche und gesundheits-politische Entwicklungen. So stellt der Vergleich des ZVA mit Supervista (Brillen.de) vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf klar, dass auch bei remote durchgeführten Refraktions-Verfahren die handwerks-rechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen.

Weiterhin setzt der Verband die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Gesundheits-Handwerke fort – diese Kooperation stärke laut ZVA die Stimme der Augenoptik in der politischen Arbeit deutlich. Dies betrifft beispielsweise die schon viele Jahre andauernden Bemühungen um faire Rahmenbedingungen für die Betriebe im Rahmen der Sehhilfen-Versorgung gesetzlich Krankenversicherter.

ZVA-Obermeister-Tagung 2026 Vortrag Dr Carolin Truckenbrod c ZVA Peter Magner
Dr. Carolin Truckenbrod erläutert die fachlichen Anforderungen zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufskraftfahrern (Bild: ZVA / Peter Magner)

Als großen berufs-politischen Erfolg hob Jaeger die Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung hervor, die Augenoptik-Betrieben seit August ermöglicht, unter den entsprechenden Voraussetzungen auch die vorgeschriebenen Seh-Überprüfungen für Berufskraftfahrer durchzuführen. Die Neuregelung geht auf eine seit 2011 erhobene Forderung des ZVA zurück. Für den ZVA-Präsidenten sei sie zugleich ein Beispiel dafür, wie viel sich durch Beharrlichkeit, fachliche Überzeugungs-Arbeit und das langfristige Engagement innerhalb der Verbands-Organisation erreichen lässt.

Neue Aufgaben erfordern klare Standards

Dirk Schäfermeyer, ZVA-Abteilungsleiter Berufsbildung, stellte mit seinen Ausführungen zur Ergänzung der Arbeits- und Qualitäts-Richtlinien für Augenoptik und Optometrie (AQRL) im Bereich Myopie-Management heraus, wie die Augenoptik ihre wachsenden fachlichen Aufgaben qualitätsgesichert wahrnehmen kann.

Die neuen Möglichkeiten zur Untersuchung des Sehvermögens von Berufs-Kraftfahrern wurden in den Vorträgen von Dr. Carolin Truckenbrod und ZVA-Geschäftsführer Dr. Jan Wetzel im Hinblick auf fachliche Anforderungen und geeignete Untersuchungs-Verfahren sowie rechtliche Voraussetzungen und Zuständigkeiten vertieft. Der ZVA stellt Innungsbetrieben entsprechende Umsetzungs-Empfehlungen sowie Listen geeigneter Geräte zur Verfügung, ein für Innungsmitglieder kostenloses Webinar mit fachbezogenen Inhalten zu praktischen Fragen der Umsetzung mit Dr. Carolin Truckenbrod ergänzt das Angebot. Dieses Video findet sich auf der Fortbildungs-Plattform COE-Campus.

In diesem Zusammenhang diskutierten die Delegierten die Bedeutung regelmäßiger Fortbildung unter der Frage, wie fachliche Qualifikation dauerhaft gesichert werden kann. Kai Jaeger ordnete den rechtlichen Rahmen einer allgemeinen Fortbildungs-Pflicht innerhalb des Handwerks ein und betonte zugleich die Notwendigkeit, sich mit diesem Thema weiter zu befassen.

ZVA: Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Zum Abschluss der Obermeistertagung dankte Kai Jaeger den Delegierten und allen Ehrenamtsträgern für ihr Engagement und rief dazu auf, sich auch künftig aktiv in die Verbandsarbeit einzubringen: „Unser Verband lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und gemeinsam beharrlich die beste Lösung zu suchen. Dies ist die Grundlage dafür, dass wir die Interessen unseres Berufsstands erfolgreich vertreten und die Augenoptik auf eine solide Basis für die Zukunft stellen können.“

 

Quelle: ZVA