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Interdisziplinäres Forum Anfang Oktober in Berlin

Mirantus: Austausch zur Augenversorgung von morgen

Auf Initiative des Berliner Gesundheits-Unternehmens Mirantus Health (Berlin) diskutierten Anfang Oktober rund 100 Teilnehmer aus Augenheilkunde, Augenoptik, Krankenkassen, Politik, Industrie, Verbänden und Patienten-Vertretung die „Augenversorgung von morgen“.

Mirantus Forum Augenversorgung Berlin 10-2026 (c Max Wilstermann / Mirantus)
Dr. Christos Pantazis MdB (vorderste Reihe, Zweiter von rechts) mit Mirantus-Besuchergruppe im Deutschen Bundestag (Bild: Max Wilstermann / Mirantus Health)

Zu Beginn gab es einen politischen Austausch im Deutschen Bundestag mit Dr. med. Christos Pantazis, gesundheits-politischer Sprecher der SPD-Bundestags-Fraktion. Am Nachmittag folgte im Maschinenraum Berlin das Fachprogramm mit Vorträgen, Panels und Networking.

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Dr. med. Claus Gruber, Mitgründer von Mirantus Health, führte in die Thematik ein und moderierte den Nachmittag. Prof. Dr. Thomas Ach (Universitäts-Augenklinik Bonn) legte aktuelle Zahlen zur augenärztlichen Versorgungslage vor und zeigte, welchen Nutzen Telemedizin in der Früherkennung bringe. Michael Schmitz (Techniker Krankenkasse) erläuterte, warum es Selektivverträge gibt, wie Krankenkassen auf Innovationen blicken – und warum diese für eine zukunftsfähige Versorgung notwendig sind.

Den internationalen Blick brachten zwei Gastredner ein. Prof. Peter Thomas (UCL / Moorfields Eye Hospital, London) stellte vor, wie der britische Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) mit „Diagnostic Hubs“ und dem „Online Hospital“ neue Wege gehe: Nicht-ärztliches medizinisches Personal führt dort die Untersuchungen durch, Augenärzte befunden telemedizinisch. Prof. Sophia Wang (Stanford Byers Eye Institute) unterstrich die künftige Bedeutung der Tele-Ophthalmologie und die Notwendigkeit, dass beide Berufsgruppen eng zusammenarbeiten. Prof. Dr. Ariel Stern (Hasso-Plattner-Institut) zeigte, warum neue Versorgungswege auch neue regulatorische Rahmenbedingungen benötigen.

Die Ergebnisse der Diskussions-Panels hätten gezeigt: Es bestehe Konsens in der Sache und Handlungsbedarf bei Standards und Rahmenbedingungen. Wissenschaft, Kassen, Praxen, Kliniken und Patientenvertretung bestätigten Versorgungsdefizite aus unterschiedlichen Perspektiven – mit Wartezeiten von 6 bis 12 Monaten mancher Orts. Gerade aus Sicht der Patienten sei deutlich geworden, dass neue Versorgungsmodelle gelebt werden müssen, um den Zugang zu Versorgung und Früh-Erkennung zu erleichtern.

Mirantus Forum Augenversorgung Berlin Diskussion 10-2026 (c Max Wilstermann / Mirantus)
Eines der Diskussions-Panels: (von links) Prof. Dr. Michael Koss, Prof. Dr. Holger Dietze, Markus Rech, Prof. Dr. Werner Eisenbarth, Dr. Claus Gruber (Bild: Max Wilstermann / Mirantus Health)

Auch die Augenärzteschaft sehe Veränderungsbedarf. Die Zahlen des DOG-Weißbuchs 2023 wurden aus dem erlebten Alltag bestätigt: Trotz einer über die letzten 20 Jahre gestiegenen Zahl an Augenärzten sei der gesamte vertragsärztliche Versorgungs-Umfang in Stunden pro Woche seit 2000 praktisch flach. Es zeige sich ein klarer Trend zu Teilzeitarbeit und ein Rückgang selbstständiger Fachärzte.

Gleichzeitig wird eine Zunahme an Personen mit Augen-Erkrankungen von ca. 25 Prozent bis ins Jahr 2050 durch den demografischen Wandel erwartet. Gerade vor dem Hintergrund des Beitragssatz-Stabilisierungs-Gesetzes stünden die Praxen unter zusätzlichem Druck. Neue Wege seien daher unausweichlich.

Vertreter des ZVA und zahlreiche Professoren aus der optometrischen Ausbildung hätten betont, dass die neuen Augengesundheits-Leistungen das Berufsbild und Selbstverständnis der Augenoptik veränderten. Zugleich habe Einigkeit geherrscht über die Grenzen: Augenoptiker und Optometristen können einen niederschwelligen Zugang schaffen und standardisierte, qualitativ hochwertige Messungen durchführen. Die Interpretation der Befunde muss jedoch klar ärztliche Aufgabe bleiben und könnte künftig mehr in Form von telemedizinischen Modellen Anwendung finden.

Von allen Seiten sei der Wunsch nach Standardisierung gekommen. Der Begriff „Screening“ werde inzwischen nahezu beliebig verwendet, die Zahl unterschiedlicher Angebote wachse. Gemeinsame Standards seien nötig, um Qualität und damit eine hochwertige Versorgung zu sichern.

Diskutiert wurde, wie die Versorgung organisiert werden soll, ob es neue Abrechnungsziffern braucht und ob der regulatorische Rahmen angepasst werden sollte. Als positives Beispiel wurde u.a. das Pilotprojekt „Konservative tele-ophthalmologische Leistungen von Augenärzten“ der KV Sachsen gelobt. Dort wird die telemedizinische Leistung von Augenärztinnen und Augenärzten auch ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt vergütet und schafft Chancen für eine effiziente und zugleich zugängliche Versorgung.

Die Teilnehmenden seien sich einig gewesen, dass der Dialog weitergehen muss. Mirantus Health will das entstandene Momentum aufgreifen und den Austausch zwischen den Berufsgruppen weiter vorantreiben. Weitere Diskussionsrunden sollen Vergütung, Regulatorik und Qualitätsstandards konkretisieren.

 

Quelle: Mirantus Health