190 Jahre Becker + Flöge: Strukturen im Hintergrund
von Redaktion,
Der Filialist Becker + Flöge feiert in diesem Jahr sein 190-jähriges Bestehen. Aus dem damaligen Institut ist inzwischen ein Familien-Unternehmen mit 36 Fachgeschäften in Norddeutschland und rund 300 Mitarbeitenden geworden. Aber auch die Augenoptik hat sich grundlegend verändert.
Das gesamte Team feiert Jubiläum: 190 Jahre Becker + Flöge im Jahr 2026 (Bild: Becker + Flöge)
Als Wilhelm Ludewig Becker 1836 sein „Optisches Institut“ in Hannover gründete, war Augenoptik ein klassisch inhaber-geführtes Handwerk. Beratung, Refraktion, Anpassung und Werkstatt lagen unmittelbar beieinander. Die Grundidee sollte trotz heute 36 Fachgeschäften dennoch dieselbe bleiben: Die fachliche Qualität eines guten inhaber-geführten Augenoptikers soll für die Kundinnen und Kunden vor Ort spürbar sein. Die Größe des Unternehmens sollte dabei nicht zu mehr Standardisierung in der Beratung führen, sondern im Hintergrund Strukturen ermöglichen, die den Fachgeschäften mehr Raum für individuelle Augenoptik geben.
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Ein Beispiel dafür sei die Zentralwerkstatt. Während Beratung, Refraktion, Zentrierung und Anpassung in den Fachgeschäften erfolgen, werden wesentliche Arbeitsschritte der Brillenfertigung zentral gebündelt. „Für uns besteht die Herausforderung darin, Prozesse dort zu vereinheitlichen, wo sie Qualität sichern – und gleichzeitig die augenoptische Entscheidungs-Kompetenz im Fachgeschäft zu belassen“, sagt Michael Thöne-Flöge. „Die Zentralwerkstatt nimmt unseren Augenoptikerinnen und Augenoptikern nicht das Handwerk ab. Sie gibt ihnen vielmehr eine technische Infrastruktur, auf die sie sich verlassen können.“
Gleichzeitig hat sich die Brillenglas-Versorgung erheblich weiterentwickelt. Moderne Refraktions- und Messverfahren lieferten heute deutlich mehr Informationen für eine individuelle Versorgung als noch vor wenigen Jahren. Hinzu kommen digitale Zentriersysteme und die Möglichkeit, zusätzliche Parameter für individualisierte beziehungsweise biometrische Brillengläser zu erfassen.
Genau hier sieht Becker + Flöge die Stärke der Fachgeschäfte. „Je präziser unsere technischen Möglichkeiten werden, desto wichtiger wird die augenoptische Kompetenz dahinter“, sagt Katja Flöge. „Ein Messsystem kann Daten liefern. Welche Lösung für einen Menschen wirklich sinnvoll ist, entscheidet aber weiterhin die qualifizierte Beratung.“
Becker + Flöge: Kompetenzen bündeln
Kontaktlinsen-Anpassungen gehören ebenso zum Leistungs-Spektrum wie die Versorgung von Menschen mit besonderen Sehbedürfnissen. Im Bereich Low Vision bzw. der vergrößernden Sehhilfen geht es häufig darum, vorhandenes Sehvermögen bestmöglich nutzbar zu machen und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen für konkrete Alltagssituationen zu entwickeln. Solche Versorgungen benötigen spezialisierte Fachkenntnisse und Erfahrung. Nicht jede Spezialisierung muss deshalb zwangsläufig in jedem Fachgeschäft in derselben Tiefe vorhanden sein.
Das Unternehmens-Netzwerk von Becker + Flöge ermögliche es, Kompetenzen zu bündeln und Kundinnen und Kunden bei besonderen Anforderungen gezielt zu spezialisierten Kolleginnen und Kollegen weiterzuleiten. Gleichzeitig bleibe das vertraute Fachgeschäft erster Ansprechpartner.
Mehr als 50 Augenoptiker-Meisterinnen und -Meister arbeiten heute hier. Für ein Unternehmen dieser Größe sei Weiterbildung nicht nur Personalentwicklung, sondern Teil der Qualitätssicherung. Neue Messverfahren, Brillenglas-Technologien, Kontaktlinsen, Low Vision oder digitale Prozesse müssen verstanden und in der täglichen Beratung sicher angewendet werden.
Die Geschäftsleitung: Kristof Flöge, Katja Flöge und Michael Thöne-Flöge (Bild: Becker + Flöge)
Ähnlich versteht das Unternehmen die Digitalisierung. Zentrier- und Auftragsdaten können digital weiterverarbeitet, interne Prozesse vereinheitlicht und Informationen standort-übergreifend verfügbar gemacht werden. „Digitalisierung ist für mich dann erfolgreich, wenn der Kunde möglichst wenig davon merkt – außer dadurch, dass Abläufe einfacher werden und unsere Mitarbeitenden mehr Zeit für ihn haben“, sagt Kristof Flöge.
Nach 190 Jahren Unternehmens-Geschichte sei für Becker + Flöge damit weniger die Zahl der Standorte entscheidend als die Frage, wie diese Standorte zusammenarbeiten. Einerseits sollen zentrale Strukturen, Technik, Weiterbildung und Prozesse genutzt werden. Andererseits solle nicht verloren gehen, weshalb die Kundinnen und Kunden ihrem Augenoptiker teilweise seit Jahrzehnten vertrauen.
Mit Kristof Flöge arbeitet inzwischen die achte Generation an dieser Weiterentwicklung mit. „Vielleicht liegt darin die eigentliche Verbindung zwischen 1836 und 2026: Die Werkzeuge der Augenoptik haben sich fundamental verändert. Ihr Kern dagegen erstaunlich wenig.“