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Kolloquium der Fielmann Akademie

Augenscreening: Praxis, Befunde, Perspektiven

Das Kolloquium der Fielmann Akademie zum Thema „Augenscreening im Fokus – Praxis, Befunde, Perspektiven“ im zurückliegenden April unterstrich die Dynamik des Themas und präsentierte etliche gute Gründe, warum die Augenvorsorge ein Betätigungsfeld der Augenoptik sein muss. Die Gesundheitsversorgung stoße zunehmend an strukturelle Grenzen, weswegen besonders in der Prävention eine engere Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und nichtärztlichen Berufsgruppen erforderlich sei, erklärte Professor Dr. med. Dipl.-Ing. (FH) Hans-Jürgen Grein, Leiter Wissenschaft der Fielmann Akademie Schloss Plön.

Dr Catharina Busch Ocumeda GmbH c Fielmann Akademie
Dr. Catharina Busch, ärztliche Leitung bei der Ocumeda GmbH, verdeutlichte anhand von Fallbeispielen, wie vielfältig die retinalen Veränderungen im Rahmen des Augen-Check-ups ausfallen können (Foto: Fielmann Akademie)

Zu Gast war unter anderem Priv. Doz. Dr. med. Catharina Busch, Oberärztin an der Augenklinik der Universitätsklinik Leipzig und ärztliche Leitung bei der ­Ocumeda GmbH. Sie wies darauf hin, dass Augen­optiker die Zielgruppe häufiger sehen würden und somit im Rahmen der Refraktionsbestimmung über das ­Thema der Augengesundheitsversorgung aufklären könnten. Ocumeda arbeite mit zertifizierten Augen­optikern für die Ermittlung der relevanten Unter­suchungspa­rameter – da gute Datenqualität die Basis für eine zuverlässige Befunderstellung sei.

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Das Konzept der Fielmann-Tochter ist hinlänglich bekannt und wurde in eyebizz bereits ausführlich vorgestellt. Aktuell verkündet Ocumeda, gemeinsam mit seinen Partneroptikern mehr als 500.000 Augen-Check-Ups durchgeführt zu haben. Diese Zahl – und addiert man dazu die der anderen Screeningsysteme-Anbieter und Augenoptiker – unterstreicht, welchen Beitrag frühzeitige und niedrigschwellige Screenings für den Erhalt der Sehkraft leisten können.

3.500 Fälle mit akutem Handlungsbedarf

Ocumeda habe bei nahezu jeder vierten untersuchten Person Auffälligkeiten festgestellt – insgesamt bei über 110.000 Menschen. In mehr als 3.500 Fällen bestand ein akuter Handlungsbedarf, in etwa einem Prozent der Fälle habe es sich um Notfälle gehandelt: Unter den Auffälligkeiten, die eine dringende augenärztliche Abklärung und Behandlung erforderlich machten, seien Gefäßverschlüsse, Netzhautablösungen und bösartige Tumore gewesen. Das Team von Ocumeda habe diese Kundinnen und Kunden proaktiv bei der Weiterleitung in die medizinische Versorgung unterstützt. Die Ocumeda-Daten verdeutlichen den hohen Bedarf an besser zugänglicher Augenvorsorge: Bei über 88 Prozent der Teilnehmenden lag der letzte Augenarztbesuch mehr als zwei Jahre zurück. 63 Prozent von ihnen hatten seit über fünf Jahren keine Augenarztpraxis aufgesucht oder sogar noch nie.

Darüber hinaus gebe es über die Wirksamkeit von Augengesundheitsvorsorge bereits mehrere Studien. Zur Wirksamkeit als auch zu den Limitationen des Augen-Check-ups von Ocumeda laufe derzeit eine Studie in Kooperation mit Fielmann und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Anhand einiger Fallbeispiele aus der täglichen Praxis zeigte Busch, wie vielfältig und teils schwer ausgeprägt die retinalen Veränderungen im Rahmen des Augen-Check-ups ausfallen. Die Oberärztin zeigte sich überrascht, wie häufig sie fortgeschrittene Stadien der Diabetischen Retinopathie sehe. Nicht selten handele es sich um Menschen, die ihren Gesundheitszustand über längere Zeit verdrängt oder Symptome ignoriert hätten.

Bei Verdacht auf internistische Ursachen erhalten Betroffene daher im Ocumeda-Befund einen aus­drücklichen Hinweis, diese sowohl augenärztlich als auch hausärztlich abklären zu lassen. In besonders dringenden Fällen kontaktiere das Ocumeda-Team die Betroffenen sogar am Wochenende, um eine ­schnelle Vorstellung in einer Notfallambulanz möglich zu machen und keine Zeit zu verlieren.

Damit war die Überleitung zum zweiten Gast nicht mehr schwierig: Frank Havenstein, Geschäftsführer der Pank + Sebold Optik Consulting, stellte ein junges, dynamisch wachsendes Forschungsfeld vor, das Bilddaten des Auges mit Verfahren der Künstlichen Intelligenz verknüpft, um systemische Erkrankungen frühzeitig und ohne invasive Diagnostik zu erfassen: Oculomics.

Die Vorstellung, dass das Auge Rückschlüsse auf den Gesamtorganismus zulasse, gehe bis ins 19. Jahrhundert und auf die ersten Ophthalmoskope zurück, die eine direkte Betrachtung der Netzhaut möglich machten. Bereits damals seien Zusammenhänge zwischen retinalen Gefäßveränderungen und systemischen Erkrankungen wie Hypertonie, Nieren‑ oder zerebrovaskulären Störungen beschrieben worden, referierte Havenstein. Mit der Einführung der digitalen Fundusfotografie in den 1990er‑Jahren habe sich die Netzhautdiagnostik zunehmend objektivieren lassen. Mit der optischen Kohärenztomografie und der OCT-Angiografie seien darüber hinaus tiefenaufgelöste Darstellungen der Netzhautstruktur möglich geworden – und damit neue Einblicke in neurodegenerative und systemische Erkrankungen.

Retina als Quelle systemischer Biomarker

Seit etwa 15 Jahren rücke die Retina verstärkt als Quelle systemischer Biomarker in den Fokus, sagte Havenstein. Fortschritte in Rechenleistung, DeepLearning-Modellen und der Verfügbarkeit großer, qualitativ hochwertiger Datensätze haben die KI-basierte Analyse retinaler Bilddaten beschleunigt. Moderne Modelle seien inzwischen in der Lage, Muster zu erkennen, die dem menschlichen Auge entgehen: Sie könnten mehr als 270 systemische oder chronische Erkrankungen anhand von Netzhautbildern identifizieren.

Augenscreenign Webinar Frank Havenstein Oculomics c partnerauge
Frank Havenstein, der beim Fielmann Akademie Kolloquium Oculomics vorstellte, war gemeinsam mit Dr. Catharina Busch und Ocumeda Anfang des Jahres bereits beim partnerauge-Webinar zu Gast. Eine ideale Ergänzung zu diesem Beitrag mit Praxisbezug, zu finden in der Mediathek (Foto: partnerauge)

Aber auch hier bleibt die Qualität und Diversität der zugrundeliegenden Datensätze die Voraussetzung. Es bestehe eine breite infrastrukturelle Grundlage für die Anwendung KI-basierter Verfahren, denn Funduskameras und OCTs sind schließlich längst auch außerhalb von Augenarztpraxen leicht zu finden. Und somit ließen sich laut Havenstein interdisziplinäre Versorgungspfade erweitern.

Die Zukunft der Oculomics liege in der Kombination hochauflösender Bildgebung, multimodaler Datenintegration und weiterentwickelter KI-Modelle. Sie könne ein leistungsfähiges, nichtinvasives Instrument zur Früherkennung systemischer Erkrankungen, zur personalisierten Medizin und zur Verbesserung langfristiger Gesundheitsergebnisse darstellen. Havenstein sieht indes trotz aller Fortschritte weiterhin erheblichen Forschungsbedarf – das Potenzial, das Auge als diagnostisches Fenster zum gesamten Organismus zu nutzen, sei jedoch größer denn je.

/// IR

 

Artikel aus der eyebizz 4.2026 (Juli/August)