Auf der Mitgliederversammlung des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) Anfang März in Lübeck wurde nicht nur Kai Jaeger zum neuen ZVA-Präsidenten gewählt, sondern mit Sylvia Alps in 75 Jahren Verbandsgeschichte erstmals auch eine Frau ins Präsidium gewählt. Nach Ansicht der überwiegend weiblichen Branche längst überfällig.
Sylvia Alps ist die erste Frau im ZVA-Präsidium, hier nach der Wahl mit ZVA-Präsident Kai Jaeger (links) und dem weiteren Vize Armin Ameloh (Bild: ZVA / Peter Magner)
Als weiterer Vizepräsident wurde Armin Ameloh im Amt bestätigt. Die neue Vizepräsidentin Sylvia Alps hatte zuvor bereits als „kooptiertes Mitglied“ (meint Reservefunktion bei kurzfristigen Ausfällen) im Präsidium mitgearbeitet und sich den Delegierten mit den Worten vorgestellt: „Ich bin Handwerkerin. Ich möchte machen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich machen lassen.“
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Die Diplom-Ingenieurin der Augenoptik ist Unternehmerin mit drei Betrieben in Niedersachsen und zusätzlich in der beruflichen Bildung aktiv. Ihr Antrieb, in die Berufspolitik einzusteigen: „In meinem Geschäftsalltag habe ich von Beginn an Kundinnen und Kunden beraten, Mitarbeitende ausgebildet, Betriebe geführt, junge Menschen begleitet und irgendwann gemerkt: Viele Themen, die uns im Alltag beschäftigen, gehören auch auf Verbandsebene auf den Tisch.“ Eyebizz wollte wissen, was genau auf ihrer Agenda steht.
Nachgefragt bei: Sylvia Alps
Frau Alps, Glückwunsch zur Wahl — wie ging es Ihnen direkt danach und jetzt?
Direkt danach war es eine Mischung aus Freude, Demut und: „Okay, jetzt wird’s ernst.“ Dann hat sich ziemlich schnell die Handwerkerin in mir gemeldet und gefragt: „Los geht´s – wo ist die Baustelle?“
Einige Monate später ist die Freude immer noch da — aber sie hat Arbeitsschuhe angezogen. Ich bin gut angekommen, höre viel zu, bringe mich ein und merke: Es gibt viel zu tun; genau das mag ich. Ich bin nicht angetreten, um einen Titel auf der Visitenkarte zu haben, sondern um mitzugestalten.
Erste Frau im ZVA-Präsidium — überfällig?
Ja — aber ich sage das ohne Vorwurf und ohne Triumphgeheul. Es ist überfällig, dass sich die Realität der Branche auch in den Gremien stärker abbildet. In unseren Betrieben arbeiten sehr viele Frauen, sie tragen Verantwortung, führen Teams, bilden aus und halten den Laden zusammen. Da ist es nur logisch, dass Frauen auch dort sichtbar sind, wo Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden.
Mir ist aber wichtig: Ich möchte nicht auf „die erste Frau“ im Präsidium reduziert werden. Das ist eine schöne Schlagzeile, aber keine Qualifikation. Ich möchte an meiner Arbeit gemessen werden. Wenn meine Wahl dazu beiträgt, dass andere Frauen sagen: „Das kann ich auch“, dann ist das ein sehr guter Nebeneffekt.
„Selbstbewusst“, „unbequem“, „bewusst aneckend“ — trifft das zu?
Wenn „unbequem“ bedeutet, dass ich Fragen stelle, Dinge klar anspreche und nicht jeden Satz vorher in Watte packe — dann ja, vermutlich. Aber ich ecke nicht an, um anzuecken. Ich ecke an, wenn ich glaube, dass wir sonst an wichtigen Themen vorbeilaufen. Selbstbewusstsein ist für mich nichts Lautes im negativen Sinn, sondern es sagt aus: Ich weiß, was ich kann, ich weiß aber auch, wann ich zuhören muss. Wenn vor allem Männer manchmal davon eingeschüchtert sind, liegt das vielleicht weniger an mir als an Vorurteilen, denen Frauen oft begegnen, wenn sie präsent sind und sich hör- und sichtbar für etwas einsetzen.
„Ich bin Handwerkerin. Ich möchte machen …“ — was genau wollen Sie machen?
Ich möchte, dass wir als Branche sichtbarer, selbstbewusster und verständlicher werden. Wir haben ein starkes Handwerk, wir haben qualifizierte Fachleute, wir leisten jeden Tag gesundheitlich relevante Arbeit — aber wir erzählen es oft zu leise.
Meine Themen sind deshalb: Nachwuchs, Ausbildung, Sichtbarkeit des Berufs, Stärkung der Betriebe und eine Verbandsarbeit, die nah an der Praxis bleibt. Ich möchte, dass junge Menschen verstehen, wie modern und vielseitig die Augenoptik ist. Und ich möchte, dass Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber das Gefühl haben: Der Verband spricht nicht über uns, sondern mit uns.
„Machen“ heißt für mich nicht: Ich räume alles um und klebe einfach neue Etiketten drauf. Aber wenn irgendwo seit Jahren ein Schild hängt mit „Das haben wir immer so gemacht“, werde ich vermutlich kurz stehen bleiben und es hinterfragen.
Wann rechnen Sie mit einer ersten ZVA-Präsidentin?
Entscheidend ist nicht, ob jemand Frau oder Mann ist, sondern ob die Person fachlich, menschlich und strategisch für ein solches Amt geeignet ist. Aber natürlich wünsche ich mir, dass Frauen in der Verbandsspitze so selbstverständlich werden wie in unseren Betrieben. Wenn meine Wahl ein Schritt dahin ist, dann sehr gern. Und: manchmal geht es schneller, wenn man nicht nur wartet, sondern macht – um noch einmal an die Frage zuvor anzuknüpfen.
Drei Geschäfte, ZVA-Präsidium, Dozentin in Hankensbüttel — wie kam es dazu?
Wahrscheinlich, weil ich schlecht nein sagen kann, wenn es um Dinge geht, die mir wichtig sind. Die Betriebe geben mir den direkten Blick in die Praxis: Kundinnen und Kunden, Mitarbeitende, Nachwuchs, Bürokratie, Alltag — all das, worüber man in Gremien nicht nur theoretisch sprechen sollte. Die Arbeit als Dozentin ist für mich eine Herzensaufgabe, weil in den Bildungsstätten die Zukunft unseres Berufs sitzt. Und die Verbandsarbeit verbindet beides: Praxis und Perspektive.
Ich glaube, man kann nur glaubwürdig gestalten, wenn man weiß, wie sich Entscheidungen im echten Betriebsalltag anfühlen. Meine Arbeitswoche ist dadurch in der Regel nicht kurz, aber sie ist sinnvoll. Und das ist mir wichtiger als bequem.
Vielen Dank für Ihre Zeit, Frau Alps!
Sehr gern. Ich finde, wir haben als Branche allen Grund, selbstbewusst zu sein – und auch genug Baustellen, bei denen es sich lohnt, loszulegen.
/// ZVA/PE
Die Fragen stellte Patricia Perlitschke.
Eine gekürzte Fassung des Artikels erschien in der eyebizz 4.2026 (Juli/August)