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Silhouette: Die Summe der Details macht das Design aus

eyebizz-Serie Material: Teil 1 – Titan

Roland Neu verkauft seit seiner Ausbildung Titan-Fassungen von Silhouette und kennt sich demzu­folge mit dem Material, den Kundenwünschen und -erwartungen an ihre Titanbrille und auch mit der Langlebigkeit der Fassungen aus. Neu war also ein idealer Gast zum Auftakt der eyebizz-Webinarserie, die sich unterschiedlichen Fassungsmaterialien widmet.

eyebizz Webinar Material Titan Silhouette Roland Neu screenshot
Roland Neu aus Straubing ist seit Mitte der 1980er Fan von Titan. Im Gespräch mit eyebizz-Chefredakteur Ingo Rütten erzählte er, worauf es beim Verkauf hochwertiger Titanfassungen ankommt. (Foto: Screenshot Webinar)

Silhouette hatte sich vorgenommen, den Augenoptikerinnen und Augenoptikern, die sich in Sachen Titan nicht so auskennen wie Neu, im kurzweiligen Webinar das Material, eine interessante Story drumherum und nicht zuletzt das Silhouette-Design nahe zu bringen.

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Die Österreicher geizten ihrerseits nicht mit Expertise: Atissa Tadjadod, Brand Director Silhouette, und Roland Keplinger, Head of Design, brachten die Faszination für ein besonderes Material in den 90 Minuten rüber, präsentierten offensichtlich unendliche Gestaltungsmöglichkeiten und gingen bei den Materialeigenschaften genauso ins Detail wie beim Design. Dass Titan so etwas wie die DNA der Marke Silhouette ist, wurde ebenso erläutert. Und besonders spannend war der Ausblick auf die Partnerschaft mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao, das ebenfalls aus Titan besteht und im Storytelling und in der Kampagne Silhouettes eine exponierte Stellung einnimmt.

Vom Guggenheim zum Gesicht

Als Architekt Frank Gehry – dessen Ableben im Dezember 2025 die Fachwelt bewegte – das 1997 eröffnete Guggenheim-Museum entwarf, schuf er ein Monument aus 33.000 hauchdünnen Titanplatten. Die technische Sensation liegt dabei im Detail: Diese Platten sind nicht einmal verschraubt, sondern schraubenlos ineinander verankert und „verfalzt“.

Mit einer bemerkbaren Bewunderung erzählte ­Keplinger von diesem unglaublichen architektonischen Prinzip, das aus sage und schreibe 0,38 Millimeter dünnen Titanplatten besteht und nicht nur imposant aussieht, sondern ganz offensichtlich eine wahre Meisterleistung darstellt. Das Designteam in Linz nutzt für seine Kollektionen Titanblech mit einer Stärke von 0,8 Millimetern. Diese Stärke sei nötig, um die Brillengläser in den Fassungen stabil und dauerhaft in Position zu halten, „es bedarf einer spezifischen Steifigkeit, die dennoch die Anmutung des Filigranen bewahrt“, meinte ­Keplinger. „Die skulpturale Präzision und Eleganz des Gebäudes in das Material Titanblech zu übertragen, war das Ziel.“ Es gehe um die Summe der Details, die das Design ausmache – „Details make the design.“

Titan ist nicht gleich Titan

Silhouette rückte unter dem Leitmotto „Titanium meets Titanium“ die Verbindung mit dem ikonischen Museum in Bilbao in den Fokus. Weltarchitektur treffe hier auf ein Accessoire, das nur wenige Gramm wiegt, aber denselben Prinzipien von Leichtigkeit, Beständigkeit und skulpturaler Präzision folge. Wichtig dabei: Titan ist nicht gleich Titan, es gilt, zwischen den unterschiedlichen Legierungen zu unterscheiden. Vereinfacht ausgedrückt wird zum Beispiel Alpha-Titan als steifer Stahlersatz in der Luftfahrt eingesetzt, Beta-Titan ist die „flexible Schwester“, die ihre überlegenen mechanischen Eigenschaften einer präzisen Legierung aus Vanadium, Niob und insbesondere Molybdän verdankt.

Die wahre Kunst besteht darin, die richtige Kombination zu finden. Silhouette nutzt für die hochbelasteten Verbindungsteile einer Fassung eine spezifische Mischung aus Alpha- und Beta-Titan. Dies garantiert, dass die Brille beim Verglasen stabil bleibt, während die Bügel aus reinem Beta-Titan die nötige Elastizität für den Tragekomfort bieten.

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Roland Keplinger, Head of Design, und Atissa Tadjadod, Brand Director Silhouette (Fotos: Silhouette)

Roland Neu aus Straubing nannte noch einen weiteren Unterschied beim Titan, der sich bei der Oberflächenveredelung zeige. Während „billiges“ Titan oft mit nickelhaltigen Lacken überzogen werde, was die allergenfreie Eigenschaft des Werkstoffs konterkariert, setze High-End-Fertigung auf absolute Reinheit und galvanische Veredelungen, die das Prädikat „hypoallergen“ tatsächlich verdienten. Die in diesem Zusammenhang genannten Begriffe „China-“ und „Japan-Titan“ signalisieren diesen entscheidenden Qualitätsunterschied, meinte der Augenoptikermeister. Zur Einordnung: Silhouettes hochwertiges Titan kommt aus Japan.

Präzision in Zeitlupe

Die industrielle Massenfertigung setzt auf Geschwindigkeit, der im Webinar offenbarte 3D-Titandruck der Österreicher ist so etwas wie der Gegenentwurf. Für das hochkomplexe Verfahren der Fassungen aus Silhopure oder S-Titanium wird feinstes Titanpulver Schicht für Schicht per Laser verschmolzen. Ein einziger Druckvorgang für nur fünf bis sechs Mittelteile beansprucht volle 24 Stunden. Entschleunigung pur, die geometrische Freiheiten erlaube, die durch traditionelles Fräsen oder Biegen unmöglich wären. Doch die Materialphysik setzt Grenzen: 3D-gedrucktes Titan sei konstruktionsbedingt spröder als kaltumgeformtes Material. Daher werde diese Technologie nur gezielt eingesetzt, für bestimmte Mittelteile etwa, während hochflexible Bügel weiterhin durch klassische Umformung entstehen.

Die Flexibilität von Titan, beispielsweise wie erwähnt der Fassungsbügel, basiert auf einem Verfahren, das ­Keplinger pointiert als Hämmern beschreibt. Anstatt den Titan-Runddraht lediglich in Form zu pressen, wird er durch gezieltes Hämmern unter einem Druck von mehreren hundert Tonnen verjüngt – so verändere sich das Molekulargefüge und die Gitterstruktur des Metalls werde verdichtet. Diese physikalische Transformation schafft eine definierte „Federzone“. Sie ermöglicht einen präzise kalibrierten Anpressdruck hinter den Ohren, der die Brille sicher hält, ohne zu drücken. Ein weiteres technisches Highlight, das der Designer vorstellte: In die Backen integrierte „kleine Nasen“ leiten Torsionskräfte vom Brillenglas weg, um Spannungsrisse zu vermeiden.

Nachhaltigkeit durch Generationentreue

Das Verfahren ist zudem nachhaltig: Es entsteht bei der Produktion nahezu kein Materialabfall – ein Paradebeispiel für Ressourceneffizienz. Die wahre Nachhaltigkeit manifestiert sich aber vermutlich besonders durch die Langlebigkeit, die nicht jedem Augenoptiker auf Anhieb gefallen und mit der man erst einmal umgehen muss. Roland Neu, der seit 1984 mit Silhouette arbeitet, berichtete von einer Kundin in seinem Betrieb in Straubing, die nach über 20 Jahren ihre Titanbrille zur Neuverglasung gebracht habe. Das Material zeige auch nach diesen zwei Jahrzehnten keinerlei Ermüdungserscheinungen oder Korrosion. „Titan ist für uns Optiker ein absolutes ‚Sorglos-Material‘. Es bietet eine Qualität, die weder bei der Reklamation noch beim täglichen Tragen Sorgen bereitet. Ein verlässlicher Partner für Jahrzehnte“, sagte Neu als perfekter Marken- und Materialbotschafter dazu.

Dieser erste Teil der Materialserie machte die Besonderheiten von Titan deutlich und zeigte darüber hinaus, dass die Verbindung zwischen dem Guggenheim-Museum in Bilbao und den Fassungen des Webinar-Partners Silhouette mehr ist als eine Story oder eine ästhetische Analogie. Vielleicht ist es das Streben nach Beständigkeit in einer flüchtigen Welt? Wenn eine Brillenfassung derselben Materialphilosophie folgt wie ein architektonisches Weltmonument, verschwimmen die Grenzen. Ist eine solche Brillenfassung dann noch ein bloßes Accessoire – oder bereits ein tragbares Kunstwerk, das die Grenzen der Materialphysik jeden Tag aufs Neue herausfordert? Fragen, die Silhouette im Webinar zu beantworten versucht, die aber letztlich jeder für sich klären muss – die Aufzeichnung des Events steht dafür über den QR-Code kostenfrei zur Verfügung.

/// IR

 

Artikel aus der eyebizz 2.2026 (März/April)