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Disruptive Kreativität und Ästhetik

Das nächste globale Flaggschiff von Etnia Barcelona?

Kunst und Kultur sind fest in der DNA des spanischen Brillenlabels Etnia Barcelona verankert. Das zeigen einmal mehr die beiden neuesten Initiativen der Marke: der im Juni am Prachtboulevard Paseo de Gracia in Barcelona eröffnete Pop-up-Store, der die kreative, künstlerische und kulturelle Essenz der katalanischen Metropole im Sommer zelebriert, und das in einer ehemaligen Kirche in Venedig eröffnete „Etnia House of Arts“.

Etnia Barcelona PopUp Store: Eierköpfe und Brillenmodelle
Eierköpfe mit Brillenkunstwerken – eine Hommage an das surreale Universum von Salvador Dalí.

Die umtriebige Brillenmarke aus Spanien setzt weiterhin auf disruptive Kreativität und Ästhetik, einschließlich innovativer Shop-Inszenierungen. Im Juni, rechtzeitig zur Sommersaison, hat das Label am Paseo de Gracia, der bekanntesten Shoppingmeile seiner Heimatstadt, einen Pop-up-Store eröffnet und widmet diesen, entsprechend der Jahreszeit, der Kategorie Sonnenbrillen. Für die Gestaltung der Fläche hat sich die Firma ein besonderes Storytelling ausgedacht: Es steht ganz im Zeichen des Sommers in der Stadt, mit vielen Anspielungen auf die lokale Szenerie, Kunst und Kulturgüter.

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Schon in der großen Schaufensterfassade werden die Besucher von auf katalanischen Volksfesten und bei Umzügen typischen Riesenköpfen aus Pappmaché begrüßt – hier allerdings im überarbeiteten Etnia-Look mit riesigen Sonnenbrillen. Drinnen erwartet die Kundschaft Sommerlaune pur in Sonnengelb und Himmelblau mit dem Postkartenspruch „Greetings from Etnia Barcelona.  Enjoy the views“ in riesigen Neonlettern. Selbst die im Stadtbild allgegenwärtigen Möwen sind im Flug- oder Beobachtungsmodus Teil des Settings. An den provisorisch wirkenden Metallstrukturen der Wände sind Bilder und Fotografien befestigt, auf denen lokale Künstler ihre ganz persönliche Vision des mediterranen Sommers festhalten: Szenen von Strandleben, Pool, Spaß und Straßencafés. Die Dreifuß-Metallständer mit Scheinwerfern und Spiegeln auf der Fläche betonen den Ateliercharakter des hohen Raums.

„Rompeolas“ Blöcke als Warenträger

Als Warenträger dienen große Würfel aus gebürstetem Aluminium – eine Reminiszenz an die ikonische Hafenmole „Rompeolas“ in Barcelona, jenem schützenden Wellenbrecher aus riesigen Betonklötzen, der heute Fußgängerpromenade ist. Die schrägen Oberflächen der Riesenwürfel sind mit weißen Plastiknasen bestückt, auf denen die verschiedenen Sonnenbrillen-Kollektionen originell präsentiert werden: zum Beispiel die Kapselkollektion „Ibiza vol.6“, die mit Streifen-, Wellen- und Karomustern in reicher Farbpalette daherkommt. Ein weiterer Würfel ist der Kollektion „Microshades“ gewidmet, eine Serie kleiner Fassungen mit kratzfesten Mineralgläsern in rosa, blau und orange und anatomischem Nasenbügel ohne Nasenpads, die dem Look des Trägers einen retro-futuristischen Touch geben sollen.

Etnia Barcelona PopUp Store
Industriecharme mit hohen Decken und Säulen aus Sichtbeton. Die Warenträger aus Aluminium sind den riesigen Betonblöcken der Hafenmole „Rompeolas” nachempfunden.

Das Premium-Modell „Yokohama 24K“, von dem es weltweit nur 250 Stück gibt, bekommt auf einem Dreifußstativ eine Sonderplatzierung. Die extrem leichte, präzise gearbeitete Fassung besteht aus Titan, überzogen mit 24-karätigem Gold: ein exklusives Sammlerstück. Die technischen Besonderheiten werden auf Schrifttafeln anschaulich erklärt und ausgelobt.

Zum Sortiment gehören auch legendäre, exklusive Brillenmodelle aus Kollaborationen mit seelenverwandten Labels und Partnern der vergangenen Jahre. Beispielsweise die Sonnenbrillenmodelle Dolly und Roses aus der Zusammenarbeit mit dem Mailänder Kunstmagazin Toiletpaper. Der bis Dezember geöffnete loftartige Pop-up-Space mit Photocall-Charakter ist eine Liebeserklärung an die Geburtsstadt der Marke und macht deutlich, wie sehr sich diese Kunst und mediterraner Kultur verbunden fühlt. Nicht umsonst haben die für Barcelona typische Architektur des katalanischen Modernismus und etliche andere lokale künstlerische Strömungen viele Brillendesigns von Etnia inspiriert.

Etnia House of Arts in Venedig

Das Untergeschoss ist dem erst kürzlich in einer Kirche aus dem 10. Jahrhundert in Venedig neu eröffneten „Etnia House of Arts“ gewidmet. Die Firma bezeichnet das Vorzeigeprojekt als Meilenstein für das Italiengeschäft und die Zusammenarbeit mit ihren dortigen Kunden und Partnern. Das Unternehmen hatte die Chiesa dell‘Abbazia della Misericordia vor drei Jahren erworben, um in dieser besonderen Location ein Kreativlabor einzurichten, in dem Kunst und Optik verschmelzen sollen. Dort entfalten heute Künstler aus aller Welt ihr an Brillen inspiriertes Schaffenspotenzial.

Etnia House of Arts
Kreationen der residierenden Künstler im „House of Arts“.

Eine Kostprobe der ersten Arbeiten bekommen die Besucher nun hier in Barcelona zu sehen. In dem als Himmel mit Wolken konzipierten Ausstellungsraum, der von oben einsehbar ist, werden die Brillenkunstwerke an großen Eiern unter Glasvitrinen exponiert. Die Inszenierung ist eine Hommage an Salvador Dalí, für den Eier von zentraler symbolischer Bedeutung waren. Nicht zuletzt hat er mit ihnen sein Theater-Museum in Figueras und sein ehemaliges Wohnhaus in Portlligat gekrönt.

Vom lokalen Handwerksbetrieb zum internationalen Unternehmen

Etnia hatte im März vergangenen Jahres das gesamte Gebäude in Barcelona am Paseo de Gracia 44 für rund 15 Millionen Euro erworben und nutzt den Standort nun für eine stationäre Präsenz mit hohem kommerziellem Wert und internationaler Sichtbarkeit. Bislang diente der Etnia-Laden im quirligen, angesagten Borne-Viertel weiter unten in der Stadt als globales Flaggschiff der Marke. Das könnte sich in Zukunft ändern, wenn die Prime Location an der teuersten und internationalsten Einkaufsmeile Barcelonas zu einem zweiten Standbein werden sollte.

Etnia: Kreation des Künstlers Krassimir Kolev
Die Brille als Gesichtsschmuck: Kreation des Künstlers Krassimir Kolev.

Im Grunde steht es für die Geschichte von Etnia selbst, denn die Marke wurde in den 1950er-Jahren von Fulgencio Romano, dem Großvater des heutigen CEO David Pellicer, als kleiner Handwerksbetrieb von Brillenfassungen gegründet und von der nächsten Generation weitergeführt. Enkel David fing in den 1990er-Jahren an, das Geschäft auszubauen und der Marke eine eigene Identität zu verleihen. Seine Vision: weg von eintönigen schwarzen Fassungen und hin zu Farbe und Kunst. So wurde 2001 Etnia Barcelona geboren. Der kleine Familienbetrieb hat sich mittlerweile zu einem internationalen Unternehmen gemausert. Heute sind die Kollektionen von Etnia Barcelona in mehr als 15.000 Verkaufsstellen weltweit erhältlich; mit Tochtergesellschaften in Asien, Kanada und den USA. Der Umsatz wird auf rund 100 Millionen Euro beziffert, Kennern zufolge mit reichlich Luft nach oben.

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Fotos: Barbara Jäger, Etnia Barcelona

 

Artikel aus der eyebizz 5.2026 (September/Oktober)