Er gründete Heime für blinde Kinder, entwickelte Blindenschriften und baute seine Arbeit nach Kriegen und Ausweisungen immer wieder neu auf: Im September jährt sich der Geburtstag von Ernst Jakob Christoffel zum 150. Mal. Die Christoffel-Blindenmission (CBM) in Bensheim erinnert an ihren Gründer.
Ernst Jakob Christoffel inmitten einiger Schützlinge (Bild: CBM)
Vor mehr als einem Jahrhundert ging Ernst Jakob Christoffel in der heutigen Türkei und im Iran neue Wege in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen. Sein Grundgedanke war für die damalige Zeit ungewöhnlich: Bildung und Förderung sollten behinderten Menschen ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen.
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Christoffel wurde 1876 in Rheydt geboren. Er studierte Theologie und bereitete sich zunächst auf einen Dienst als Prediger vor. Es kam anders: 1905 ging er in die heutige Türkei, wo er mit Waisenkindern und blinden Kindern arbeitete, die kaum Zugang zu Bildung und schlechte Aussichten auf eine gute Zukunft hatten. Christoffel wollte den Kindern Bildung vermitteln und ihnen die Chance auf ein selbstständiges Leben geben. 1908 gründete er im Osten der Türkei das Heim „Bethesda“ für blinde Kinder.
Kriege und Ausweisungen stoppten seine Arbeit
Der Erste Weltkrieg setzte seiner Arbeit vorerst ein Ende. Ernst Jakob Christoffel wurde ausgewiesen und musste die Türkei verlassen. Als er später nicht wieder in der Türkei arbeiten durfte, ging er in den Iran.
Ernst Jabob Christoffel: Der Gründer und Namensgeber der CBM wurde am 4. September 1876 in Rheydt (Deutsches Reich) geboren und starb am 23. April 1955 in Isfahan (Persien) (Bild: CBM)
Dort begann er von vorn, lernte neue Sprachen und entwickelte Blindenschrift für die lokale Sprache. In Täbris und Isfahan baute er Heime und Bildungsangebote für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen auf.
Christoffels Lebensweg war geprägt von politischen Umbrüchen und persönlichen Rückschlägen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er verhaftet, interniert und nach Deutschland gebracht. Das Heim in Täbris wurde geschlossen, die Arbeit in Isfahan ging ohne ihn weiter.
In Deutschland kümmerte sich Ernst Jakob Christoffel um Menschen, die durch den Krieg erblindet sind, und gründete ein Heim für sie. 1951 kehrte er mit 75 Jahren in den Iran zurück und baute das weitgehend zerstörte Heim in Isfahan wieder auf.
Vermächtnis des Ernst Jakob Christoffel
Als Ernst Jakob Christoffel 1955 starb, hinterließ er mehr als die Einrichtungen der Christoffel-Blindenmission (CBM), die er aufgebaut hat. Er steht für einen Gedanken, der seiner Zeit voraus war: Menschen mit Behinderungen sollten nicht dauerhaft auf Fürsorge angewiesen sein, sondern lernen und arbeiten und damit möglichst selbstbestimmt leben können.
„Dieser Gedanke prägt die Arbeit der CBM bis heute. 150 Jahre nach Christoffels Geburt erinnert die CBM deshalb an ihren Gründer und an seinen Anspruch: Behinderte Menschen brauchen nicht allein Unterstützung, sondern die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu gestalten.“ Im Jahr 2025 förderte die CBM 385 Projekte in 35 Ländern.