Produkt: eyebizz  2/2019
eyebizz 2/2019
15 TOP THESEN von der opti+++ESSILOR kauft Brille24+++EYELINER Ahlem Eyewear+++SPECIAL Ab in den Dschungel
Augenoptiker-Portrait

Ludwig Oehm Sehmanufaktur: Mit Exklusivität zum Erfolg

Ludwig Oehm Frankfurt - Schaufenster
Die Glasfassade von Ludwig Oehm Sehmanufaktur in Frankfurt (Bild: Jürgen Bräunlein)

„Die Brille ist unsere Leidenschaft“ – ein Satz, den viele Augenoptiker sagen, doch wer seine Kunden so fürstlich empfängt wie Aniko Geué, der Geschäftsführer der Ludwig Oehm Sehmanufaktur in Frankfurt, dem glaubt man diese Leidenschaft. Ein Portrait aus der eyebizz-Reihe von Unternehmer-Persönlichkeiten in der Augenoptik. [13732]

Den Beruf des Augenoptikers kann man auf unterschiedliche Weise ausüben. Viele machen vieles gleich oder ähnlich, doch manche gehen erstaunlich andere Wege, mit Mut zum Risiko und aufgeschlossen für Innovationen. Solche Unternehmer-Persönlichkeiten porträtiert eyebizz in jeder Ausgabe. Diesmal: Aniko Geué, Geschäftsführer der Ludwig Oehm Sehmanufaktur. Sein Geschäft liegt in der Stephanstraße, unweit der Zeil in Frankfurt am Main – einer der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands -, und eigentlich sind die 170 Quadratmeter Fläche nicht so leicht zu bespielen, gerade bei diesem Grundriss: ein langgezogenes Rechteck mit schmaler Front zur Straße und wenig Tageslicht, doch was Designer und Tischler im Auftrag der drei Geschäftsgründer hier gemacht haben, ist einfach umwerfend.

Anzeige

Lounge-Charakter mit Kokon

Spektakulär ist schon die gläserne Wand, die den strahlend weißen High-Tech-Refraktionsraum vom Rest des Geschäfts trennt. In der Mitte läuft auf einem breiten Monitor ein Video von Tom Davies in Dauerschleife. Und dann der Beratungsbereich vorne: Statt der üblichen meterlangen Brillenregale mit ihrem Schaulauf an aktuellen Modellen präsentieren vier freistehende Stelen edle Fassungen. Weitere Schätze liegen in den Schubladen verborgen. Stelen und Schränke sind aus massivem Rüster, Ulmenholz, das für den Bau von Segelbooten Verwendung findet. Aniko Geué und seine Mitstreiter Tim Schmidt und Andreas Oehm haben ein Faible fürs Segeln, deshalb auch die Ringe aus Schwarzstahl, mit denen die Brillen umrahmt werden, was nicht zufällig an Bullaugen erinnert.

Ludwig Oehm Frankfurt - Innenraum
Ludwig Oehm Sehmanufaktur – Innenraum (Bild: Jürgen Bräunlein)

Dank der vorwiegend warmen Holztöne hat der große Raum Lounge-Charakter. Der runde Tisch, an dem der Kunde sitzt, ist von einem halbtransparenten Vorhang umschlossen, der darunterliegende Teppich flauschig. „Wir sagen Kokon dazu, der Kunde soll sich wohlfühlen, da hilft eine persönliche, intimere Atmosphäre“, erzählt Aniko Geué und entschuldigt sich, dass er heute keinen Espresso anbieten kann, auch das normalerweise Teil der Kundenbegrüßung.

Ständige Marktbeobachtung

Der Augenoptikermeister ist seit 31 Jahren im Business und eigentlich Ostberliner. Er war in namhaften Unternehmen der Region tätig, hat neben der fachlichen Kompetenz auch langjährige Erfahrung, auf die er bauen kann. Zu den Marken, die in der Sehmanufaktur angeboten werden, gehören Thom Browne, Saint Laurent, Victoria Beckham oder Vuarnet. Massenware findet man nicht, die Handvoll Anbieter sind sorgfältig ausgewählt.

Ludwig Oehm Frankfurt - Innen Eyevan
Warme Holztöne sorgen für Lounge-Charakter (Bild: Ludwig Oehm Sehmanufaktur)

Nimmt Geué ein neues Label auf, zählt nicht nur die Qualität. „Es sollte maximal noch zwei Mitbewerber für dieses Label in Frankfurt geben. Wenn es mehr sind, macht es für mich keinen Sinn.“ Das verlangt ständige Marktbeobachtung. „Es genügt nicht, das geschäftliche Umfeld des Ladens bei der Eröffnung zu kennen“, sagt er, „ich muss es auch drei, vier Jahre nach Start noch verlässlich einschätzen können.“ Der Augenoptiker verrät noch ein weiteres seiner Geschäftsprinzipien. „Läuft eine Kollektion besonders gut, und die ersten fünf Brillen sind weg, bestelle ich sofort nach, weil ich weiß, dass es sich dabei gewiss um keine durchschnittlichen Modelle handelt.“

50 Prozent Maßanfertigung

Am liebsten hätte Geué ausschließlich Kunden ab 40, weil das wirtschaftlich am interessantesten ist, aber tatsächlich kämen Kunden ab 25 aufwärts. Wer besonderes Material wünscht, wird fündig. Ob Baumwollacetat, Titan, Silber oder Naturhorn. Im Angebot auch Extraordinäres wie eine Brillenfassung aus dem Horn des Yaks, einer domestizierten Rinderart in Zentralasien. Wesentlicher Bestandteil der Kollektion ist das Konzept „Bespoke“ des britischen Designers Tom Davies, das nur wenige Optiker in Deutschland anbieten. Die Fassungen werden wie Maßanzüge angepasst, je nach Kopfform können Bügellänge oder auch Breite des Nasenpads individuell gewählt werden. 50 Prozent der Brillen, die in der Ludwig Oehm Sehmanufaktur verkauft werden, sind maßgefertigt.

Ludwig Oehm Sehmanufaktur - Aniko Geué
Aniko Geué (© Ludwig Oehm)

„Wir nehmen das Handwerk sehr ernst“, sagt Geué, „Wir erzählen auch mehr über die Nachteile eines Produktes als Mitbewerber, die immer nur sagen, wie toll ihre Brillen sind. Wir sagen einem Kunden auch mal: Die rote Brille, die du da aufhast, schaut cool aus, aber findest du das auch noch in einem Jahr?“

Zu der detaillierten Sehanalyse, die dem Kunden angeboten werden, gehören Netzhautscan, Analyse von Hornhaut und Tränenfilm und manches mehr. „Technisch haben wir alles da, was im Moment möglich ist. Das haben nur wenige Augenoptiker in Frankfurt im Angebot, manche scheuen einfach noch die Investitionen.“ Falls erforderlich macht Geué einen Soforttermin beim Augenarzt, auch das ein Service, der geschätzt wird. Die Kontaktlinsenanpassung bietet er kostenfrei an und hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Der Kunde ist wirklich König

„Wenn ich einen Kunden erfolgreich etwas angepasst habe, wird der nirgendwo anders mehr hingehen. Ich würde tatsächlich sagen, dass 70 bis 100 Prozent der Kunden, die ich bedient habe, nie woanders hingehen würden. Es sei denn, sie ziehen um.“ Zu Geués Erfolg gehört seine Bereitschaft und Flexibilität, auch in diffizilen Lagen auf seine Kunden einzugehen. Er erzählt von einem Herrn, der sich für eine Brillenfassung in seinem Geschäft interessierte, obwohl er sich gerade von einem Mitbewerber eine neue Brille hat machen lassen. Leider war der Mitbewerber nicht bereit, seinem Kunden ein zweites Paar Gläser für 50 Prozent Rabatt zu überlassen, sondern gab nur 25 Prozent. In diesem Fall übernahm Geué den Rest des Rabatts, so kam der Kunde, wie gewünscht, in den Besitz einer zweiten Brille, nun eben von der Ludwig Oehm Sehmanufaktur. Später sei dessen Frau in den Laden gekommen und hat gleich mehrere Brillen gekauft. Das Fazit des Augenoptikers: „Alles in allem ein sehr gutes Geschäft für 25 Prozent Nachlass.“


„Meine große Leidenschaft ist es, Menschen sehend zu machen.“


In der direkten Nachbarschaft der Ludwig Oehm Sehmanufaktur befinden sich hochwertige Design- und Einrichtungsläden, da fügt sich ein High-End-Augenoptiker gut ein. „Wenn wir schon ein Geschäft eröffnen, dann wollten wir wenigstens etwas machen, was ästhetisch wirklich klasse ist“, begründet Geué seinen exquisiten Laden, „In der Optik gibt es nicht so viele, die hier richtig Gas geben“. Das Gas geben blieb auch nicht unbemerkt. 2018 – ein Jahr nach der Gründung – wurde die Ludwig Oehm Sehmanufaktur auf der Mailänder Optikmesse Mido für den weltweit bestdesignten Shop ausgezeichnet.

Händeringend Personal gesucht

Corona hat die Sehmanufaktur übrigens bislang nicht in Schwierigkeiten gebracht. „Wir haben das schon gespürt, konnten es aber ganz gut abfedern. Der Zuspruch danach, als sich alles wieder gelockert hat, war nur umso größer.“ Für die nahe Zukunft plant man Dependancen in Berlin, München und Hamburg. In der Hafenstadt hat man schon eine gute Lokalität gefunden. Keine leichte Aufgabe, wie Geué sagt: „Wir suchen händeringend Mitarbeiter, mit denen wir die nächsten Filialen eröffnen können, das ist eigentlich das größte Problem, geeignetes Personal zu finden.“ Auch das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt ihn. „Manche Zulieferer schicken uns immer noch drei Päckchen mit je einer Brille, da fragt man sich schon, ob das sein muss.“

Ludwig Oehm Sehmanufaktur Frankfurt - Schaufenster Detail
Mit Exklusivität zum Erfolg (Bild: Ludwig Oehm Sehmanufaktur)

Auf die Frage, was ihn an seinem Beruf so begeistert, erzählt er von einer Kundin, die fest davon ausging, am rechten Auge nur noch 5 Prozent Sehkraft zu besitzen, so dass sich eine Sehanalyse hier gar nicht lohnen würde. Es stellte sich aber heraus, dass sich dieses Auge mit dem entsprechenden Glas soweit korrigieren ließ, dass eine Sehkraft von 45 Prozent zu erreichen war. Vor zwei Monaten, so erzählt Geué, hat sie sich wieder eine Brille machen lassen, und ist jetzt bei 65 Prozent. Also fast fahrtauglich. „Das sind so Situationen“, gibt er zu, „da läuft es mir kalt den Rücken herunter, und ich denke mir, wie schön ist das denn! Im Endeffekt machen wir Blinde sehend.“

/// JÜRGEN BRÄUNLEIN

 

Ludwig Oehm Sehmanufaktur Frankfurt GmbH

Geschäftsführer Aniko Geué

Stephanstraße 5, 60313 Frankfurt am Main

www.ludwig-oehm.de

 

 

Beitrag aus der eyebizz 6.2020 (Oktober/November)

 

Kennen Sie …

… auch eine Persönlichkeit, deren außergewöhnliche unternehmerische Leistungen so interessant sind, dass sie in eyebizz vorgestellt werden sollten? Oder sind Sie selbst eine? Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an: Tel. +49 030-4456900, E-Mail: redaktion@eyebizz.de

 

Produkt: eyebizz 5/2019 Digital
eyebizz 5/2019 Digital
Monopoly der Markenlizenzen+++Lindberg: Zurückhaltung auf höchstem Niveau+++Jiyoon Yun: Berlin Brillen im 20-Minuten-Takt

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Eine Sehmanufactur, die idividuell auf den Menschen zugeht, beweist, dass ihr daran gelegen ist dem Kunden echt die Augen zu öffnen für all das Schöne in der Welt. Wow!

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren