Produkt: eyebizz  5/2019
eyebizz 5/2019
Monopoly der Markenlizenzen+++Lindberg: Zurückhaltung auf höchstem Niveau+++Jiyoon Yun: Berlin Brillen im 20-Minuten-Takt
Analyse des GTAI

Großes Potenzial für Augenoptik in Polen

(Warschau, Polen) – In loser Folge informiert das GTAI über Märkte im Ausland, auch die Augenoptik betreffend. Noch werden in Polen vergleichsweise wenig Brillen verkauft. Experten seien allerdings guter Dinge, dass sich das in Zukunft ändert. Deutschland hat bereits einen großen Marktanteil.

Polen - Europa
Augenoptik in Polen: viel Entwicklungspotenzial (Bild: Pixabay)

Viel Potenzial in der Augenoptik

Dem Bericht des GTAI (Germany Trade & Invest: Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing) zufolge bietet der Augenoptik-Markt in Polen viel Entwicklungspotenzial. Viele Polen würden trotz Sehstörungen den Besuch beim Augenarzt hinauszögern, und nach Expertenmeinungen habe bis zu einem Drittel von ihnen diesen noch nie konsultiert und behelfe sich stattdessen mit Fertigbrillen.

Anzeige

Laut polnischem Statistikamt (Glowny Urzad Statystyczny; GUS) habe z.B. jeder vierte Erwachsene in Polen Probleme beim Zeitung lesen. Schätzungen zufolge haben 50 Prozent der Schulkinder dort eine Sehschwäche.

Preis spielt entscheidende Rolle

20 Millionen Brillenträger gebe es in Polen. Es würden allerdings jährlich nur zwischen fünf Millionen und sechs Millionen Sehhilfen verkauft (Fertigbrillen hier nicht mitgerechnet). Der Großteil der Brillenträger verfüge lediglich über ein Modell für Arbeit, Freizeit und Sport.

„Beim Kauf einer Brille spielt der Preis weiterhin eine entscheidende Rolle. So machen die in der Regel teureren Gleitsichtbrillen in Polen nach Aussage von Adam Mamok, Geschäftsführer der polnischen Niederlassung des französischen Herstellers von Brillengläsern Essilor, mit rund 300.000 Modellen lediglich sechs Prozent der verkauften Sehhilfen aus.“ – Gegenüber 25 Prozent im restlichen Europa.

Mehr Katarakt-Behandlungen

Das Bewusstsein für Sehstörungen nehme aber in Polen von Jahr zu Jahr zu. Dies könne man z. B. an der steigenden Zahl von Augenbehandlungen ablesen: im ersten Halbjahr 2019 rund 226.600. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg von mehr als 11 Prozent (Zahlen des Nationalen Gesundheitsfonds Narodowy Fundusz Zdrowia; NFZ).

Warschau in Polen - Skyline
Die Skyline von Warschau (Bild: Pixabay)

Zu dieser Steigerung führte aber vermutlich auch eine Änderung im Bereich der Finanzierung. „Seit April 2019 ist die Beschränkung für die Anzahl von Katarakt-Behandlungen (Grauer Star) abgeschafft worden. Zuvor hatte der NFZ den Krankenhäusern die Finanzierung der Operation nur für eine bestimmte Anzahl von Behandlungen zugesagt, um damit auch die Wartezeit deutlich zu verkürzen: und zwar auf die Hälfte – durchschnittlich rund 246 Tage (im August 2019).

Jeder zehnte Pole verzichtet auf Sehhilfe

Jeder zehnte Pole entscheide sich einer Umfrage zufolge trotz Sehstörungen gegen eine Sehhilfe, hauptsächlich aus Zeitmangel und Bequemlichkeit. Die übrigen nutzten zum Ausgleich ihrer Fehlsichtigkeit zu 93 Prozent eine Brille und/ oder zu 20 Prozent Kontaktlinsen. 16 Prozent von ihnen planten eine Sehkorrektur mittels Laser.

Der Wiederbeschaffungsrhythmus sei sehr unterschiedlich: 31 Prozent der Brillenträger erneuerten ihr Modell alle drei bis fünf Jahre. 25 Prozent nach zwei Jahren, 22 Prozent sogar innerhalb des ersten Jahres. Dagegen zwölf Prozent nur alle fünf Jahre, und sechs Prozent der Befragten blieben ihrer Brille gänzlich treu.

Faktor Mode gewinnt an Bedeutung

„Häufigster Grund für einen Modellwechsel ist eine Verschlechterung der Sehleistung. Darüber hinaus wird eine neue Brille gekauft, wenn die alte beschädigt ist. Zunehmend relevant sind modische Aspekte. Für immer mehr Polen muss die Brille auf die Kleidung abgestimmt sein und den neusten Modetrends folgen.“

Steigende Einkommen und zunehmender Anspruch an Qualität erhöhten langsam die Bereitschaft, mehr in Sehhilfen zu investieren. Namhafte Hersteller würden bekannter, und auch die Gleitsichtgläser würden mehr nachgefragt

Unabhängige Optiker bestimmen Markt

„Wie die Wirtschaftszeitung Puls Biznesu berichtet, gibt es in Polen rund 4.800 Optiker. Dabei ist der Markt sehr stark fragmentiert. Bei dem Großteil von ihnen handelt es sich um unabhängige und individuelle Geschäfte. Die Filialen der Kettenbetreiber lassen sich vor allem in den Handelszentren der Großstädte finden. Mit rund 200 Geschäften ist das britische Unternehmen Vision Express größter Betreiber in Polen. Die größte polnische Optikerkette Doktor Marchewka kommt auf ungefähr 85 Filialen. Die deutsche Fielmann AG betreibt rund 20 Geschäfte in Polen“, stellt das GTAI fest.

Deutschland ist zweitwichtigster Lieferant

„Mit einem Volumen von 294 Millionen Euro sind Polens Importe im Bereich der Augenoptik 2018 insgesamt um 4,6 Prozent gestiegen. Mit mehr als 80 Prozent kommt der Großteil der eingeführten Waren dabei aus den anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Frankreich zählt mit einem Importanteil von 18,6 Prozent vor Deutschland (14,1 Prozent) und China (13,3 Prozent) als wichtigster Lieferant. Dabei importierte Polen 2018 vor allem französische Brillengläser aus anderen Stoffen als Glas. Sie machten fast 90 Prozent der polnischen Augenoptik Importe aus Frankreich aus.

GTAI - Augenoptik in Polen - Einfuhren
Polen – Einfuhr von Produkten der Augenoptik (in Mio. Euro)

 

Weitere Infos zur Wirtschaft in Polen gibt es hier

 

Quelle: GTAI (Germany Trade & Invest, Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing), gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

 

Produkt: eyebizz  4/2019
eyebizz 4/2019
Neues Konzept Stuttgart ‘21: Die opti zieht alle zwei Jahre um +++ Lunetterie Général: Die Brillen des Rocketman +++ New Generation – 40 Talente „Unter 40“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren