Produkt: eyebizz  4/2019
eyebizz 4/2019
Neues Konzept Stuttgart ‘21: Die opti zieht alle zwei Jahre um +++ Lunetterie Général: Die Brillen des Rocketman +++ New Generation – 40 Talente „Unter 40“
Erwartet werden mehr Kunden, aber fallende Umsätze

Frankreichs Augenoptik wird sich verändern

Wenn vom 27. bis zum 30. September die 52. SILMO in Paris stattfindet, wird bei aller Internationalität der Messe besonders auch der französische Augenoptik-Markt im Mittelpunkt stehen. Die deutsche Agentur Germany Trade & Invest (GTAI) hat schon jetzt mal einen Blick auf unseren französischen Nachbarn und dessen Entwicklung im Brillen-Markt geworfen.

Paris /Frankreich
Paris steht demnächst wieder im Mittelpunkt der Augenoptik-Branche – auch der französische Brillen-Markt wird anlässlich der SILMO Ende September genau analysiert (Foto: Pixabay)

Germany Trade & Invest ist die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Hauptsitz in Berlin). In einem heute veröffentlichten Bericht wird die Entwicklung der französischen Augenoptik in den kommenden Jahren beleuchtet und prognostiziert einen bevorstehenden Wandel:

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„Die französische Krankenversicherung wird ab 2020 die Kosten für den Kauf bestimmter Brillen vollständig erstatten. Der Preisdruck beschleunigt den Wandel in der Branche. Ab dem 1. Januar 2020 wird die französische Krankenversicherung gemeinsam mit den privaten betrieblichen Zusatzversicherungen die Kosten für Basis-Brillenmodelle samt Gläsern rückerstatten. Dasselbe gilt für Basisangebote von Hörgeräten und Zahnersatz. Dies war ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron. Nach Angaben der Regierung scheuen zehn Prozent der Bevölkerung aus Kostengründen den Kauf einer Brille, trotz vorhandener Sehschwäche.

Die Vorgängerregierung hatte 2015 die Rückerstattung für Brillen auf alle zwei Jahre beschränkt, nachdem Versicherte zuvor jedes Jahr ihre Brille wechseln konnten. Gleichzeitig wurden Obergrenzen eingeführt.

Für die Befreiung von jeglicher Zuzahlung hat das Gesundheitsministerium mit dem Fachhandel einen Produktkorb („panier 100% santé“) ausgehandelt. Augenoptiker müssen künftig mindestens 35 Brillenmodelle für Erwachsene und 20 für Kinder zu einem Höchstpreis von 30 Euro anbieten. Die Gläser dafür müssen dünn, kratzunempfindlich und entspiegelt sowie für alle gängigen Sehstörungen geeignet sein.

Die Rückerstattung für Einstärkengläser liegt zwischen 95 und 265 Euro und für Gleitsichtgläser zwischen 180 und 370 Euro. Die Versicherten können diese voll rückerstattungsfähigen Gläser aber auch mit teureren Fassungen kombinieren oder umgekehrt. Dann könnte die Zuzahlung künftig steigen, da Fassungen ab 2020 nur noch bis zu einem Preis von 100 Euro von der privaten Zusatzversicherung bezahlt werden dürfen und nicht wie bisher bis 150 Euro.

Mehr Verkäufe bei niedrigeren Preisen

Die vollständige Rückerstattung der Kosten für Basisangebote wird nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Xerfi die Absatzvolumina für Sehhilfen in die Höhe treiben, aber andererseits auf die Preise drücken. Xerfi erwartet eine Steigerung der Verkäufe im Augenoptik-Fachhandel nach Stückzahl um 4,2 Prozent bei fallenden Umsätzen 2019 (-0,5 Prozent), 2020 (-1,5 Prozent) und 2021 (-0,5 Prozent). Erst 2022 (+1 Prozent) sollen wieder längerfristige Trends wie die Alterung der Bevölkerung und eine zunehmende Kurzsichtigkeit bei jüngeren Menschen das Wachstum bestimmen.

Nach Schätzungen von Xerfi beträgt der Durchschnittspreis für Einstärkenbrillen derzeit 284 Euro (davon 126 Euro für die Fassung) und für Gleitsichtbrillen 563 Euro (145 Euro für Fassung). Der Markt umfasst 13 Millionen Brillen im Wert von insgesamt 5 Milliarden Euro pro Jahr. Je Brille sind das etwa 384 Euro. Ab 2020 soll der Durchschnittspreis auf 362 Euro sinken.

Handelsstrukturen in der Augenoptik verändern sich

Der Preisdruck bei höheren Stückzahlen treibt Veränderungen im Fachhandel für Augenoptik an, die bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten waren. So dürfte sich die Aufgliederung in preiswerte (Discounter) und hochpreisige Anbieter verstärken. Unter wachsendem Preisdruck müssten sich die Ketten und unabhängigen Augenoptiker stärker von der Konkurrenz abheben, so Xerfi. Große Augenoptik-Ketten wie Krys, Atol, GrandVision und Afflelou verfügen bereits über eigene Discounter-Ketten.

Unter Druck stehen vor allem die Anbieter preisgünstiger Brillen. 2018 gab es in Frankreich 12.342 Optikgeschäfte, gegenüber 11.630 in Deutschland. Der Verband der französischen Optiker ROF (Rassemblement des opticiens de France) sieht in den rückerstattungsfähigen Basisangeboten eine Existenzbedrohung für Augenoptiker mit einer Marge unter fünf Prozent. Dies sind in Frankreich rund 1.500 Läden.

Gute Entwicklungschancen haben nach einer Analyse von Xerfi Augenoptik-Ketten mit innovativen Ansätzen, die mit günstigen Angeboten ein jüngeres Publikum ansprechen, darunter Jimmy Fairly, Polette und Lunettes pour tous (mit dem Werbespruch „10 Euro, 10 Minuten“). Im Vorteil sehen die Marktforscher auch große Supermarktketten wie E.Leclerc oder Carrefour mit viel Kundenverkehr, die immer stärker mit Augenoptikern kooperieren.

Positiv wirkt sich auch der gleichzeitige Verkauf von Hörgeräten aus, der von vielen Ketten forciert wird. Kosten für Hörhilfen waren in der Vergangenheit von der Sozialversicherung nur geringfügig erstattet worden. Hier wird es ähnlich wie in der Augenoptik und beim Zahnersatz Basisgeräte geben, die von den Versicherungen vollständig übernommen werden, allerdings erst ab 2021. Zunächst gelten höhere Zuschüsse.

Der Preisdruck treibt die Konsolidierung im Sektor voran, auch durch die Verbindung von stationärem und Onlinehandel sowie Fachhandel und Herstellung. Einer der weltgrößten Hersteller von Brillen und Gläsern, EssilorLuxottica, der im Oktober 2018 aus der Fusion von Essilor aus Frankreich und Luxottica aus Italien hervorgegangen ist, weitet seine Präsenz im französischen Fachhandel aus. Hier war das Unternehmen bisher nur schwach vertreten gegenüber einer starken Präsenz in Nordamerika.

Das Unternehmen hat im Juli 2019 die Übernahme des niederländischen Anbieters GrandVision angekündigt. GrandVision, zu dem auch die Apollo-Kette in Deutschland gehört, ist die drittgrößte Handelskette für Augenoptik in Frankreich mit einem Marktanteil (2018) von 12,1 Prozent nach dem Marktführer Krys (15,3 Prozent) und Optic 2000 (14,7 Prozent).

Ein Ziel der Übernahme ist es, näher an die Kunden heranzukommen, um durch eine bessere Kommunikation über die technischen Vorzüge nichtrückerstattungs-fähiger Gläser dem Preisdruck zu widerstehen. Neben dem größten Hersteller EssilorLuxottica setzt auch Zeiss Frankreich auf eine verstärkte Kommunikation. Dabei wollen die Hersteller technologische Neuerungen wie Mehrzweckgläser (Lesen, Autofahren, Bildschirmlektüre) oder Brillen mit Zusatzfunktionen, wie die Schonung der Augen oder Warnung bei Ermüdungserscheinungen, stärker herausstellen.

Hersteller erwarten mehr Billigimporte

Der Herstellerverband Gifo (Groupement des industriels et fabricants de l’optique) befürchtet ab 2020 durch die Pläne des Gesundheitsministeriums den Verlust von 2.700 Arbeitsplätzen (sechs Prozent der im Sektor Beschäftigten), steigende Importe preiswerter Gläser, aber 2020 und 2021 auch jeweils 540.000 zusätzliche Kunden. Der Verband hofft, dass diese bei künftigen Brillenkäufen auch höherwertige Produkte nachfragen.

Die Auswirkungen könnten aber auch weniger drastisch ausfallen. Als 2015 der Zyklus für die Rückerstattung von jährlich auf alle zwei Jahre erweitert wurde, hatten die Augenoptiker-Verbände Umsatzeinbrüche von 15 Prozent vorhergesagt. Tatsächlich sind die Umsätze der Augenoptiker nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens GfK 2016 weiter gestiegen und lediglich 2017 um 1,4 Prozent zurückgegangen, um 2018 bei 6,5 Milliarden Euro zu verharren (+0,1 Prozent).

Die Marktaussichten sind längerfristig positiv, da die Gruppe der Menschen, die unter Alterssichtigkeit leidet, jährlich um sieben Prozent zunimmt, während immer mehr jüngere Menschen durch das Lesen auf kleinen Bildschirmen kurzsichtig werden. Insgesamt gelten Franzosen auch im westeuropäischen Vergleich im Bereich Augenoptik als sehr gut ausgerüstet und sind an Marken- und Qualitätsprodukte gewöhnt.“

 

Quelle: GTAI

 

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